Lokführer streitet mit DB: Zug bleibt stehen

von Redaktion

„Völlig inkompetent“ – Fahrgäste werden Zeugen eines Disputs mit dem Fahrdienstleiter

VON DIRK WALTER

München/Mering – Von so einer Bahnpanne hat man auch noch nie gehört: Offenbar aufgrund einer Meinungsverschiedenheit zwischen einem Lokführer und dem Fahrdienstleiter der Deutschen Bahn blieb ein Zug von Go-Ahead fast eineinhalb Stunden auf freier Strecke liegen. Eine Frau erlitt eine Panikattacke.

Für Thorsten Schüller (58), Wirtschaftsjournalist aus Grafing (Kreis Ebersberg) ist es „ein weiteres Schmankerl aus dem Kapitel ,Bahnfahrten in Deutschland’“: Schüller war am Montag Nachmittag auf dem Weg zu einem Termin nach Augsburg, wie er unserer Zeitung berichtet. Der RE80 von Go-Ahead war gut besetzt, etwa 600 Fahrgäste, wie die Bundespolizei schätzt. Er fuhr schon 20 Minuten zu spät in München ab. Und dann, etwa zwei Kilometer vor dem Bahnhof Mering, stoppte der Zug plötzlich abrupt und blieb auf freier Strecke stehen. Zunächst gab es eine kurze Durchsage des Zugführers, der von „Differenzen über den weiteren Betriebsablauf“ berichtete.

Als nach etwa 20 Minuten immer noch nichts weiterging, wurde die Stimmung im Zug langsam frostig. Ein Fahrgast fragte schließlich über die Sprechanlage im Zug direkt beim Lokführer nach, was denn los sein. Der redete sich in Rage: Er habe eine Auseinandersetzung mit dem Fahrdienstleiter der DB, der Mann sei „völlig inkompetent“. Und weiter sagte der Lokführer: er lasse sich das nicht mehr bieten und verweigere die Weiterfahrt. Über die Sprechanlage bekamen zahlreiche Fahrgäste, die in der Nähe saßen, den Wutanfall des Lokführers live mit.

Was war da los? Offenbar war der Zug zwangsgebremst worden, eventuell weil er ein Haltesignal überfahren hatte. Im täglichen Bahnbetrieb ist so etwas Routine, es kommt vor, dass zum Beispiel ein Signal erst auf Rot schaltet, wenn die Spitze des Zuges schon vorbeigefahren ist – dann greift das Sicherungssystem und der Zug wird zwangsweise gestoppt.

In diesem Fall muss der Lokführer den Fahrdienstleiter kontaktieren, erst dann wird die Fahrstraße wieder freigeschaltet. Normalerweise jedenfalls. Warum das in diesem Fall nicht geschah und worüber sich Lokführer und Fahrdienstleiter dann stritten, ist unklar. „Wir untersuchen den Vorfall“, sagt Go-Ahead-Chef Fabian Amini. Ähnlich reagiert die Bahn. „Wir bedauern sehr, dass es zu Unannehmlichkeiten für die Reisenden gekommen ist“, der Fall werde geprüft.

Für die Fahrgäste hatte der Streit unschöne Konsequenzen, Sie mussten im Zug bleiben. Erst nach fast eineinhalb Stunden rollte der Regionalexpress in den Bahnhof Mering ein. Zuvor war ein Notfallmanager der DB über einen Feldweg zum Zug gefahren, wie Schüller beobachtete. In Mering mussten die Fahrgäste dann in einen anderen Zug von Go-Ahead umsteigen – warum, konnte gestern kein Beteiligter erklären. Zwischenzeitlich war der Zugführer über die Panikattacke einer Frau berichtet worden. Sie musste aber offenbar nicht ärztlich versorgt werden.

Seinen Termin in Augsburg hat Fahrgast Thorsten Schüller verpasst. Er kam zwei Stunden zu spät.

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