Pofalla räumt lückenhafte Kontrollen ein

von Redaktion

München – Nach den Verstimmungen bei seiner letzten Vernehmung hat sich der ehemalige Bahn-Vorstand Ronald Pofalla im Untersuchungsausschuss zur zweiten S-Bahn-Stammstrecke verbindlicher gezeigt. Der frühere CDU-Spitzenpolitiker musste den Abgeordneten bereits das zweite Mal Rede und Antwort stehen. Beim ersten Mal hatte er nur ausweichend geantwortet – so dass die Vernehmung abgebrochen wurde. Diesmal lief es besser.

Zu seiner Zeit als Infrastrukturvorstand von 2017 bis März 2022 habe die Stammstrecke angesichts des Finanzvolumens und der Komplexität der Baumaßnahme zu den fünf größten Projekten bundesweit gehört, berichtete Pofalla. Dennoch habe der Vorstand der Deutschen Bahn nur etwa drei bis vier Mal im Jahr eine Vorlage zu dem Mammutprojekt auf den Tisch bekommen. „Abwegig“ sei freilich der Gedanke, er sei gebeten worden, Informationen zur Kostenexplosionen und Verzögerung wegen einer möglichen Kanzlerkandidatur von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) zu verschleppen. „Eindeutig nein“, sagte Pofalla. Das stieß freilich bei den Abgeordneten auf Skepsis. So sagte der Ausschussvorsitzende Bernhard Pohl (FW), nachdem Pofalla geschildert hatte, dass er mit Söder zwar per SMS Geburtstagswünsche austausche, aber nie über die Stammstrecke gesprochen habe: „Dann kommuniziert man doch, wenn es was zu kommunizieren gibt!“

Pofalla verwies indes auf seine Arbeitslast. Er sei jährlich für bundesweit 30 000 Baustellen zuständig gewesen, gut zwei Dutzend davon hätten ein Volumen von mindestens 500 Millionen Euro gehabt, pro Woche kamen mindestens 1000 Seiten an Berichten. Eine engmaschigere Begleitung sei da gar nicht möglich gewesen.

Nach einer schlechten Erfahrung habe er für sich die Lehre gezogen, sagte Pofalla, der heute Geschäftsführer eines Immobilienkonzerns ist. „Ich veröffentliche keine einzige Zahl mehr, bevor die Beratungen nicht endgültig abgeschlossen sind.“

Die Kosten für die zweite Stammstrecke werden derzeit auf 8,5 Milliarden Euro geschätzt, die Fertigstellung könnte erst 2037 erfolgen. Das bayerische Verkehrsministerium hat die Bahn jetzt zu regelmäßigen Berichten über den Baufortschritt verpflichtet – und zeigte sich gestern in einer ersten Bilanz zufrieden. Die DB Netz AG als Bauherrin halte die zugesagte Transparenz ein.  mm/dpa

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