Der 50-Stunden-Bahnstreik

von Redaktion

VON DIRK WALTER

München – 50 Stunden lang soll nichts mehr fahren. Das ist das Ziel der Eisenbahner- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Sie hat einen flächendeckenden Warnstreik von Sonntag 22 Uhr bis Dienstag 24 Uhr ausgerufen. Es ist der dritte EVG-Streik in diesem Jahr. Da in der EVG viele Fahrdienstleiter organisiert sind, dürfte der Streik große Auswirkungen haben. Die Deusche Bahn kündigte gestern schon an, den Fernverkehr komplett einzustellen. Auch im Regionalverkehr werde „größtenteils kein Zug fahren“. Damit sind sowohl die Münchner und Nürnberger S-Bahn als auch die Züge der Bayerischen Regiobahn und von Go-Ahead betroffen. Die S-Bahn werde „massiv beeinträchtigt“ sein, sagte eine Sprecherin der S-Bahn München. „Wir gehen davon aus, dass so gut wie kein Zug fährt.“ Zudem ist auch der Busverkehr beeinträchtigt, wie der Münchner EVG-Chef Isidoro Peronace sagte. Es handelt sich um den RVO in Oberbayern, RVA im Allgäu, RBO in Ostbayern, RBA in Augsburg sowie fränkische Busunternehmen.

Ungewiss ist, ob es den Eisenbahnen gelingt, zumindest einen Notverkehr aufrecht zu erhalten. Beim letzten EVG-Streik am 27. März hatte die S-Bahn am Mittag einen Pendelverkehr zwischen Pasing und Ostbahnhof organisiert. Es ist denkbar, dass das wieder gelingt, heißt es hinter den Kulissen, aber eben nicht sicher. Go-Ahead wiederum fuhr zumindest auf der Strecke Würzburg-Treuchtlingen mit zwei Zügen, wie Pressesprecher Winfried Karg sagt. Auch hier gibt es keine sichere Vorhersage, ob das wieder gelingen wird.

Neben den Pendlern, bei denen viele auf das Auto oder eben Homeoffice ausweichen werden, sind auch Schüler betroffen. Das Kultusministerium weist darauf hin, dass Schüler wie schon im März im Einzelfall zu Hause bleiben können, wenn sie auf die Bahn angewiesen sind – dann aber muss die Schule informiert werden. Betroffen sind diesmal aber auch die Abiturienten – am Montag beginnen die mündlichen Prüfungen (Kolloquien) im 4. und 5. Abiturfach. Da der Streik aber jetzt schon bekannt ist, geht das Ministerium davon aus, dass die Abiturienten rechtzeitig zu den für jeden individuell vereinbarten Prüfungsterminen erscheinen können – und falls doch nicht, gebe es Nachtermine.

Am Verhandlungstisch scheinen die Fronten verhärtet: Ein 50-stündiger Warnstreik sei „sehr ärgerlich für die Fahrgäste“, sagte EVG-Tarifvorständin Cosima Ingenschay in Köln. „Aber wir müssen in dieser Länge streiken, weil wir dann einfach auch stärkere wirtschaftliche Auswirkungen haben und dadurch den Druck erhöhen können.“

Die Gegenseite sparte nicht mit harscher Kritik: „Dieser irrsinnige Streik ist völlig grundlos und restlos überzogen“, sagt DB-Personalvorstand Martin Seiler. „Statt Kompromisse zu suchen, will die EVG unglaubliche 50 Stunden das Land lahmlegen.“ Dies sei „quasi ein Vollstreik ohne Urabstimmung“. Trotzdem signalisierte Seiler Verhandlungsbereitschaft. Die Bahn sei „ab sofort bereit“ für Verhandlungen, auch am Wochenende. „An uns soll es nicht scheitern.“

Die DB bittet die Fahrgäste, ihre für den Streikzeitraum geplanten Fahrten im Fern- und Nahverkehr bis zum frühen Sonntagabend vorzuziehen“, hieß es. Sonntags sind die Züge generell meist voll, viele Menschen sind dann auf der Rückreise von ihren Wochenendausflügen. Fahrgäste mit einem Ticket für den Zeitraum 14. bis 16. Mai können die Fahrscheine ab sofort flexibel bis einschließlich Sonntagabend nutzen. Eine flexible Nutzung nach Streikende sei dieses Mal nicht möglich, da der Ausstand direkt vor einem der reisestärksten Tage im Jahr ende. Am 18. Mai ist Christi Himmelfahrt.  mit dpa/afp

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