Isen – Uschi Schmidt-Hoensdorf beobachtet Vögel seit ihrer Kindheit. An diesem Wochenende hat die 70-Jährige aus Isen im Landkreis Erding aber ganz genau hingesehen, welche Vögel, sie in ihrem Garten findet. „Das waren Grünspecht, Haussperling, Amsel, Erlenzeisig, Meise, Dompfaff, Star und Goldammer“, zählt sie auf. „Vor allem viele Stare habe ich gesehen“, sagt sie. Darüber freut sie sich besonders.
Die Juristin beteiligt sich seit vielen Jahren an der bundesweiten Zählaktion „Stunde der Gartenvögel“, zu der der Landesbund für Vogelschutz und der Naturschutzbund NABU seit 2005 aufrufen. Ziel der Vogelzählung ist es herauszufinden, welche Gartenvögel bei uns in den Städten und auf den Dörfern leben – und wie sich deren Populationen entwickeln.
In Bayern haben bis Sonntagnachmittag mehr als 5000 Menschen an der Aktion teilgenommen und dabei mehr als 110 000 Vögel gemeldet. Nach der vorläufigen Bilanz wurden Haussperling, Amsel und Star besonders häufig beobachtet, gefolgt von Kohlmeise, Feldsperling und Blaumeise. Auch im vergangenen Jahr waren diese sechs Vogelarten auf den vorderen Plätzen.
Weniger gesichtet als in den vergangenen Jahren wurden laut vorläufiger Bilanz Rauchschwalben und Mauersegler. Dies könnte aber auch dem kalten und regnerischem Wetter geschuldet sein. Die Insektenfänger jagen ihre Nahrung vorwiegend in der Luft. Da aber bei Regen weniger Insekten fliegen, nutzen die Vögel die Zeit, um Energie zu sparen. Weitere Vogelarten mit einem Minus sind Rabenkrähen, Kuckuck, Nachtigall und Wacholderdrossel.
Doch nicht nur um diese Vogelarten fürchtet Uschi Schmidt-Hoensdorf, die nicht nur Vögel beobachtet, sondern vor drei Jahren auch den Vorsitz der LBV-Kreisgruppe Erding übernahm. „Sorge bereiten mir vor allem die sogenannten Allerweltsarten wie Amsel, Fink und Sperling“, sagt sie. „Auch diese Vögel, die eigentlich immer da sind, werden in Bayerns Gärten immer weniger.“ Sie geht davon aus, dass sich diese Tendenz der vergangenen Jahre auch in diesem Jahr fortsetzen wird. „Es ist vor allem der Einsatz von Pestiziden, der unsere Gartenvögel tötet“, sagt sie. Schmidt-Hoensdorf appelliert deshalb an alle Gartenbesitzer, auf jegliche Chemie zu verzichten. „Und wenn mal eine Blattlaus da ist, dann lässt man die eben Blattlaus sein.“
Wichtig sei außerdem, heimische Blühpflanzen anzubauen, damit Insekten – und damit in Folge auch die Vögel genügend Nahrung finden. Gleiches gelte für Balkonbesitzer. „Heimische Kräuter in die Kästen setzen und diese dann zumindest teilweise blühen lassen: Das freut nicht nur die Insekten, sondern später auch unsere Gartenvögel.“