München – An die kleine Munni denkt Gaby Fromberg oft. Es ist schon Jahre her, dass sie das kleine Mädchen aus der nordindischen Stadt Haridwar zum ersten Mal behandelte. Munni war in ein Feuer gestolpert, ihre Hände waren völlig verbrannt. „Sie hatte keine Finger mehr“, erinnert sich Fromberg. Die Chirurgin und ihre Kollegin operierten sie. Es gelang ihnen, einen Teil der Hände zu retten. Heute kann Munni wieder greifen, sie geht zur Schule, lernt schreiben. Ohne die Behandlung wäre ihr Leben völlig anders verlaufen.
Gaby Fromberg könnte viele Geschichten wie die von Munni erzählen. Seit mehr als 25 Jahren reist die Ärztin aus Murnau im Kreis Garmisch-Partenkirchen mit dem Verein Interplast in Länder, in denen die chirurgische Hilfe gebraucht wird. „Als ich damit begonnen habe, war ich noch Assistenzärztin“, erzählt die 63-Jährige. Seitdem versucht sie, einmal im Jahr für einen solchen Einsatz Urlaub zu nehmen, um zu helfen. „Überwiegend behandeln wir Frauen und Kinder“, berichtet sie. Oft mit Verbrennungen. Manchmal berichten die Frauen, es seien Kochunfälle gewesen. Doch Fromberg weiß, dass sie sich nicht trauen zu erzählen, dass ihr Mann ihnen die Verletzung angetan hat. Eine ihrer Patientinnen ist sogar mit Säure überschüttet worden. „Bei unserer Hilfe geht es nie um Schönheits-Operationen“, betont sie. Es geht darum, den Menschen zu helfen, ein halbwegs normales Leben zu führen.
Gaby Fromberg kommt meist sehr demütig nach Hause zurück. Auch ihre Patienten hier sind ihr wichtig. Doch für die Menschen in Indien, Afghanistan oder Sri Lanka sind die Ärzte aus dem Ausland manchmal Lebensretter. „Es gibt natürlich auch dort gute plastische Chirurgen“, sagt sie. „Aber nicht alle Menschen haben Zugang zu ihnen oder können sich eine Behandlung leisten.“ Der Verein Interplast bezahlt die Einsätze dank Spendengelder.
Gaby Fromberg ist eine von acht Oberbayern, die gestern von Gesundheitsminister Klaus Holetschek eine Auszeichnung für ihr Engagement erhielten. „Für mich kam das völlig überraschend“, sagt sie. „Und natürlich ist es eine Auszeichnung, für den gesamten Verein und nicht nur für mich.“
Genauso sieht das Armin Gehrmann. Er ist Vorsitzender des Vereins Harlekin am kbo-Kinderzentrum der Kinderklinik in Schwabing. Auch er wurde gestern ausgezeichnet – auch für ihn ist es eine Ehrung aller Mitglieder des Vereins. Den gibt es seit 25 Jahren. Er organisiert Betreuung und Nachsorge für Frühchen oder Kinder, die mit Komplikationen zur Welt gekommen sind. Für die Familien werden Betreuungs- und Nachsorgetermine angeboten. „So lange, bis wir nicht mehr gebraucht werden“, sagt Gehrmann. Bevor es den Verein gab, waren die Familien oft überfordert, wenn sie die Klinik verlassen haben. Das Angebot wird dankbar angenommen. Für Gehrmann sind es besonders schöne Momente, wenn er Babys, die er betreut hat, als Jugendliche wiedersieht oder noch nach Jahren Dankesbriefe von den Eltern bekommt. Das sei eine noch schönere Motivation als Auszeichnungen, sagt er.
Gaby Fromberg sieht das genauso. „Manchmal höre ich, unsere Auslandseinsätze seien nur ein Tropfen auf den heißen Stein und damit könne man auch nicht die Welt retten“, sagt sie. Die Murnauerin sieht das ganz anders. „Für die Patienten dort retten wir ihre Welt.“