Ein besonderer Ort seit 100 Jahren

von Redaktion

Oberlandler Gauverband begeht Jubiläum der Trachtenwallfahrt nach Birkenstein

VON B. STUHLWEISSENBURG (TEXT) UND THOMAS PLETTENBERG (BILD)

Birkenstein – Die Damen im seidenen Kirchengewand mit silbernen Schmucknadeln im geflochtenen Haar, die Herren in feschen Joppen, Gilets und Leder- oder Stresemannhosen: Rund 2000 Trachtler sind an Christi Himmelfahrt nach Birkenstein in Fischbachau im Kreis Miesbach gepilgert, um ihre Sorgen und Bitten an die Mutter Gottes heranzutragen – ein jährliches Spektakel, das vor genau 100 Jahren erstmals stattgefunden hat. Damals, 1923, um dafür zu beten, die schwere Zeit der Inflation und Arbeitslosigkeit zu überstehen und der vermissten und gefallenen Soldaten zu gedenken.

Zum Jubiläum haben die Mitglieder der 50 Vereine des Oberlandler Gauverbands eine eigens zu diesem Anlass entworfene Kerze mitgebracht, die der Gauverband für den Wallfahrtsort gestiftet hat. „Diese Kerze brennt für Eure Anliegen“, sagt Kurat Hans Schweiger, der den Festgottesdienst hält.

Unter den Wallfahrern ist auch Emmeram Demmel vom Trachtenverein d’Goldbergler Helfendorf nahe Aying. Der 83-Jährige pilgert seit 40 Jahren nach Birkenstein: „Ich bete dafür, dass unsere Heimat erhalten bleibt, damit unsere Kinder weiter hier leben können“, sagt er. Dazu gehöre auch, dass der christliche Glaube erhalten bleibe. „Das ist leider nicht mehr selbstverständlich.“ Anders als noch vor drei Jahren, ist Demmel dieses Mal mit dem Auto zur Wallfahrtskapelle gekommen, wo er auf die Ankunft seiner Vereinskameraden wartet, die noch gut zu Fuß sind. „Seit ich nicht mehr Breakdance machen kann, gehe ich nicht mehr rauf“, scherzt er.

Auch Gertraud Hemeter hat ein Anliegen im Gepäck: „Ich bete für den Weltfrieden“, sagt die vierfache Mama, die im Trachtenverein Immergrün Au bei Bad Aibling aktiv ist. Der Krieg in der Ukraine sowie die aktuelle politische Instabilität in der Welt bewege sie. Für die 41-Jährige ist nicht nur die diesjährige Jubiläumswallfahrt etwas Besonderes: „Birkenstein selbst ist ein besonderer Ort, den ich sehr mag.“ Hemeter pilgerte früher oft nach Maria Egg im Pfaffenwinkel. „Birkenstein ist überschaubarer und sehr familiär, das gefällt mir.“

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