Eine bayerische Märchenhochzeit

von Redaktion

VON MARIA ZSOLNAY

München – Als Ludwig Prinz von Bayern seine frisch angetraute Sophie-Alexandra im Kirchenportal der Theatinerkirche küsst, fliegen weiße Rosenblätter durch die Luft, die Sonne bricht durch die Wolken, und die Schaulustigen applaudieren. Es ist ein weiß-blauer Traum, der am Samstag auf dem Odeonsplatz in Erfüllung ging.

Der Wittelsbacher Ludwig Prinz von Bayern, der seinem Vorfahren, dem Märchenkönig Ludwig II., wie aus dem Gesicht geschnitten ähnlich sieht, hat die niederländisch-kanadische Politikwissenschaftlerin zum neuen Mitglied der bayerisch-royalen Familie gemacht.

Knapp 1000 Gäste waren zur Trauung geladen, ein klangvoller Name reihte sich an den anderen: Habsburg, Liechtenstein, Sachsen-Coburg, Hannover, Esterhazy und viele mehr. Sie alle fanden sich ab neun Uhr in der Kirche ein, viele Damen sehr elegant in bunten Sommerkleidern mit High-Heels und dekorativen Hüten. Ein modisches Schaulaufen.

Die Braut selbst hatte sich für ein Brautkleid der Marke Reem Acra aus dem Libanon entschieden, weil sie einige Zeit im Nahen Osten gelebt hat. Den Schleier fertigten die ukrainischen Designer von Wona Concept an, das Diadem stammt von Irmingard von Bayern, Ludwigs Großmutter. Alle Gäste bekamen ein weiß-blaues Perlenarmband für den Einlass in die Kirche, angefertigt in Kenia, Ludwigs zweiter Heimat.

Ludwigs Schwester Auguste von Bayern steckte sich sogar zwei Papageien ins Haar, als Zeichen ihrer Berufes, sie ist Ornithologin. Auch Ministerpräsident Markus Söder band sich eine roséfarbene Krawatte um, passend zum eleganten Outfit seiner Frau. Er überbrachte ein ganz besonderes Geschenk: „Einen Rucksack vom G7-Gipfel in Elmau. „Es gibt nur wenige davon, und ich weiß, dass die beiden gerne wandern.“

Lange Wege hatten teilweise einige Gäste hinter sich, wie der burkinisch-deutsche Architekt und Pritzker-Preisträger Diébédo Francis Kéré. Die Mischung der Gäste spiegelte das Leben des Brautpaares wider: International vernetzt und doch in Bayern zu Hause. Als Sophie-Alexandra an der Hand ihres Vaters Dorus Evekink zur Kirche ging und dort mit Küsschen von Kardinal Reinhard Marx empfangen wurde, kam sogar ein wenig die Sonne raus.

Stilvoll, aber nicht protzig – die Vorgabe des Brautpaares. Auch bei den Blumen. Der Brautstrauß ein Gebinde aus Maiglöckchen.

Nach der Kirche nahmen sich Sophie-Alexandra und Ludwig viel Zeit für die Schaulustigen, für die Vertreter der Trachten- und Schützenvereine. Sie winkten und ließen sich fotografieren, bis sie in ihren Oldtimer stiegen – einen BMW 505 Pullmann aus dem Jahr 1955. Die Gäste selbst kamen mit dem Bus der Münchner Verkehrsbetriebe („Ziel: Sophie Ludwig!“) nach Schloss Nymphenburg, wo Wittelsbacher-Chef Herzog Franz von Bayern zum Empfang geladen hatte. Im Schlosspark konnte man kühles Kaltenberger Bier (von Brautvater Luitpold von Bayern), Champagner oder auch nur Saftschorle genießen. Dallmayr sorgte für ein Flying Buffet, das Café Luitpold lieferte die fünfstöckige Hochzeitstorte, verziert mit den weiß-blauen Initialen der beiden. Eine Prinzregententorte, abgewandelt mit Pistazien.

Am Abend war Zeit für die großen Roben, für Frack (so stand es auf der Einladung) und vor allem für Abzeichen. Doch so elegant und hochkarätig die Gäste gekleidet waren, so bescheiden gab man sich beim Fest. Denn Sophie und Ludwig baten ganz bewusst zu einer Brautsoirée. So kam ein mehrgängiges, vegetarisches Menü auf den Tisch, entworfen von dem neuen Superstar am Münchner Gastrohimmel, Jan Hartwig. Anschließend wurde zu Livemusik lange und ausgelassen getanzt.

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