Eine Königin vom Fach

von Redaktion

VON CORNELIA SCHRAMM

München – Ihr erster Schluck Bier war ein Graus: „Als Jugendliche hat mir das erst gar nicht geschmeckt“, erzählt Mona Sommer heute und lacht. Aber dann kam sie doch noch, die Liebe zum Bier: „Seit ich 16 bin, spiele ich Schlagzeug in einer Musikkapelle – und zu guter Gesellschaft gehört für mich seitdem auch gutes Bier.“ Eine Lieblingssorte hat die heute 24-Jährige nicht, aber viel Spaß daran, sich durch verschiedene Sorten und Marken zu probieren.

Dafür wird die junge Frau aus Weitnau im Oberallgäu jetzt zahlreiche Gelegenheiten haben – immerhin ist sie frisch gekrönte Bayerische Bierkönigin. Nach dem alljährlichen Aufruf des Brauerbunds hat Sommer sich gegen insgesamt 60 Bewerberinnen durchgesetzt. Am Donnerstagabend traten die sechs Finalistinnen im Löwenbräukeller in München ein letztes Mal zur Wahl an – am Ende zierte Mona Sommers Haupt das Krönchen.

„Das ist völlig verrückt! Ich glaube, ich brauche noch ein bisschen, um das zu realisieren“, sagt Sommer und lacht. „Aber ich bin wirklich stolz, die erste Bierkönigin zu sein, die aus dem Allgäu kommt.“ 106 WhatApp-Nachrichten und 154 Mitteilungen auf Instagram hat Sommer am Tag nach der Krönungsnacht auf ihrem Handy. Zeit zum Antworten bleibt ihr nicht. Schon am Abend steht der erste Auftritt auf dem Lohhofer Volksfest in Unterschleißheim an – und davor geht’s ab ins Trainingslager.

Ein Fass Bier ohne Pannen anzuzapfen, will gelernt sein. „Daher bekomme ich vorher noch Anzapftraining“, sagt Sommer. „Aber das Schmalz im Arm ist schon da!“ Geübt wird in Schritten. Erst an einem leeren Fass, dann an einem mit Wasser – und erst dann an einem echten, gefüllten Holzfass. Verschwendet werden soll ja nichts vom flüssigen Gold. Immerhin ist Bierbrauen ja Kunst und harte Arbeit zugleich. Keiner weiß das besser als die Bierkönigin selbst – sie ist von Beruf Brauerin und Mälzerin bei der Brauerei Härle in Leutkirch im Allgäu. „Das ist eines meiner Ziele als Bierkönigin – nicht nur Bier als Produkt zu repräsentieren, sondern auch das Handwerk, das dahintersteckt“, erklärt Sommer. Mit Hauruck geht im Sudhaus nichts – viel Wissen, acht Wochen Zeit und nicht zuletzt viel Liebe braucht so ein Bier, bis es abgefüllt wird.

Die erste Amtshandlung in Unterschleißheim ist nur eine von bis zu 200 Auftritten, die Sommer fortan als Bierkönigin auf Volksfesten, Umzügen und Messen absolviert. Ein Höhepunkte wird die Wiesn sein, aber auch die Auftritte als Botschafterin des Bayerischen Bieres im Ausland, etwa in Brüssel. „Mein Englisch und Französisch will ich dabei unbedingt wieder auffrischen“, sagt Sommer. „Ansonsten freue ich mich darauf, viele neue Leute kennenzulernen.“

Eines ist Sommer wichtig: trotz voller Terminmappe gut drauf sein und immer authentisch bleiben – samt geliebtem Allgäuer Dialekt. Nur der Kleiderschrank muss noch etwas erweitert werden. „Ich habe nur fünf Dirndl im Schrank und die werden nicht reichen“, sagt Sommer und lacht. „Aber schon am ersten Tag bin ich vor einen Gabentisch gesetzt worden: Ich darf mir Schmuck und Dirndl für die Auftritte aussuchen und habe ein Diensthandy und einen Audi A4 als Dienstauto bekommen.“

Ein echter Mädchentraum für jemanden, der als Brauerin in einer Männerdomäne arbeitet. Ans Schminken und Frisurenstecken muss Mona Sommer sich aber noch gewöhnen. „Bei der Arbeit im Sudhaus bin ich sonst natürlich nicht so gestylt.“

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