München – Wer mit der Fluggesellschaft Marabu am Donnerstag in den Urlaub auf die griechische Insel Korfu abheben wollte, hat starke Nerven gebraucht. Von 4.45 Uhr morgens bis spät abends saß ein Leser mit seiner Frau am Gate A23 am Flughafen München – um 5.55 Uhr sollte der Flug mit der Nummer MBU6596 starten. „Wir warten vergeblich auf den Abflug und bekommen außer ,Flug verspätet‘ keine Info von der Airline und es ist kein Personal als Ansprechpartner vor Ort“, schrieb er. „Die Fluggäste sind alle übernächtigt, höchst verärgert und wirken teils lethargisch.“
Offenbar hat sich die Stimmung unter den verzweifelt wartenden Fluggästen, darunter auch Familien mit kleinen Kindern, weiter aufgeheizt. So zumindest erklärt ein Sprecher der Bundespolizei auf Nachfrage, dass ab dem späten Nachmittag ein bis zwei Streifen vor Ort waren. „Nach der zugegeben langen Wartezeit hatte man irgendwann bemerkt, dass die Diskussionen lauter werden“, erklärt der Sprecher. „Die Beamten waren rein präventiv vor Ort.“
Oft beruhige sich die Stimmung in solch emotionalen Situationen schon, wenn ein Beamter in Uniform daneben stehe. Die Taktik wirkte laut dem Sprecher auch am betroffenen Marabu-Gate deeskalierend. „Die Beamten mussten nicht eingreifen. Handgreiflichkeiten, oder gar einen Tumult, hat es nicht gegeben.“
Das all die Fluggäste über Stunden völlig informationslos „in der Luft hängen gelassen“ wurden, ärgere einen am meisten, schrieb der Leser. Offenbar standen der jungen Fluggesellschaft Marabu am Donnerstag nicht genug Flugzeuge für die eigentlich gebuchte Anzahl an Flügen zur Verfügung. Als endlich ein Flieger zum Boarden bereitstand, war der zu klein. Laut der „Bild“-Zeitung mussten dann etwa 40 Fluggäste per Bus und Taxi in das 380 Kilometer entfernte Graz in Österreich gebracht werden. Erst dort konnten sie in ein Flugzeug – der Fluggesellschaft Eurowings – umsteigen, das sie schließlich nach Korfu brachte.
Derzeit häufen sich Meldungen von Störungen bei der Billig-Airline Marabu, einem Unternehmen der Condor-Eigentümerin Attestor. Am Muttertag etwa hatte ein Flug auf die griechische Insel Zakynthos sogar gleich mehrere Tage Verspätung. CORNELIA SCHRAMM