Der Miesbacher George S. Hoser will die Menschen aus den Gemeinschaftsunterkünften holen und ihnen ein eigenes Zuhause verschaffen – mit Flüchtlingshelfern, Immobilieneigentümern und einer Gruppe Miesbacher Handwerksbetriebe.
Bereits zu Beginn des Ukraine-Kriegs meldeten sich Hoser und seine Familie beim Landratsamt, zwei Zimmer hatten sie freigeräumt für Geflüchtete. „Wir wollten einfach helfen“, sagt der 47-Jährige. Die Gelegenheit ließ nicht lange auf sich warten. Eines Abends rief eine Koordinatorin der Caritas an: Ein ukrainisches Ehepaar und eine ältere Frau stünden am Irschenberg, sie hätten auf ihrer Odyssee nach Deutschland auch einen Hund und Katzen dabei und bräuchten dringend einen Platz zum Schlafen. Hoser beriet sich kurz mit seiner Familie und sagte zu. Inzwischen wohnen die Schutzsuchenden in einer Mietwohnung in Fischbachau – ein Objekt, das Hoser ihnen vermittelt hat.
Ein Bauträger hatte das leer stehende Haus nach einem Gespräch mit dem engagierten Miesbacher kurzerhand für die Geflüchteten bewohnbar gemacht. Wegen der derzeitigen Lage auf dem Immobilienmarkt wollte er es nicht anderweitig verwerten. Ein Beispiel, das Schule machte: Seither hat Hoser mit Miesbacher Handwerksbetrieben über 20 Geflüchteten ein eigenes Zuhause vermittelt. „Dieses Potenzial sehe ich für den gesamten Landkreis“, sagt der Familienvater. Erst recht aufgrund der aktuellen Zins- und Baukosten.
Das Modell kann für beide Seiten hervorragend funktionieren. „Es gilt aber, einige Punkte zu beachten.“ Die Miete müsse verlässlich und pünktlich bezahlt werden, der Antrag hierfür müsse vorab durch das Landratsamt freigegeben werden. Auch sollte der Mietvertrag für mindestens sechs Monate abgeschlossen werden, damit sich der (Sanierungs-)Aufwand überhaupt lohnt. „Und natürlich sollte es auch menschlich passen zwischen Vermieter und den neuen Bewohnern.“ Wer also eine leer stehende Immobilie besitzt, könnte über eine derartige Option nachdenken. „Geflüchtete erwarten keine Neubaustandards“, sagt Hoser. „Allein schon das Gefühl, dank abschließbarer Räume wieder Privatsphäre zu haben, ist für sie ein Stück Rückkehr in ein selbstbestimmteres Leben.“ Weg von Gemeinschaftsduschen und einem Feldbett in einer überfüllten Turnhalle – hin zu einem selbst organisierten Haushalt. „Das ist es, was sich alle wünschen.“ SEBASTIAN GRAUVOGL