Landwirte leiden unter Extremwetter

von Redaktion

VON TINA SCHNEIDER-RADING

München – Der nasseste März seit über 20 Jahren, der erste zu nasse April seit 15 Jahren. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) vermeldete für die meteorologischen Frühlingsmonate März und April lauter Rekorde und weit überdurchschnittliche Niederschläge. Bayern lag mit 81 und 82 Litern pro Quadratmeter an der Spitze Deutschlands. Doch nicht nur für Wirte und Ausflügler fiel der Frühling ins Wasser. Besonders Landwirte, die zu dieser Jahreszeit ihre Felder instand setzen, hatten unter dem Wetter zu leiden. „Grundsätzlich tat der Regen zu Anfang des Frühjahrs gut“, stellt Anton Huber, Ackerbaureferent des Bayerischen Bauernverbands (BBV), fest. „Im Winter hatten wir viel zu wenig Niederschläge.“

Die lange Regenperiode sei optimal gewesen für die Böden. „Aber es war eine Herausforderung für die Landwirte. Und jetzt sind wir mit einigen Arbeiten spät dran.“ Denn der anhaltende Regen hatte die oberen Erdschichten der bayerischen Felder zwar nicht abgetragen, aber völlig durchnässt. Den Bauern blieben wochenlang nur kurze Zeitfenster, um auf ihre Äcker zu fahren, ausgerechnet in dieser wichtigen Feldarbeits-Phase. Sie wären mit den schweren Maschinen einfach eingesunken.

Die Aussaat im Frühjahr braucht trockene Bedingungen, für Samen wie Mais und Kartoffeln sind stabile, wärmere Temperaturen wichtig, damit sie überhaupt keimen können. In diesem Jahr lief das Säen spät an, wenn überhaupt: Laut dem Ackerbau-Experten konnte ein Teil der Sommergerste, die zum Bierbrauen verwendet wird, gar nicht erst ausgesät werden. „Da fehlen uns jetzt ganze Flächen. Und das bedeutet Einbußen in der Produktion.“

Der Ackerbauer Ralf Huber aus Allershausen (Landkreis Freising) schätzt den Verzug der Arbeit auf vier bis sechs Wochen. Der 56-jährige Biolandwirt baut gemeinsam mit seinem Sohn im Ampertal auf 180 Hektar Fläche unter anderem Weizen, Roggen, Dinkel und Hafer an, er beliefert mit seinem Getreide auch die Münchner Hofpfisterei. „Das Frühjahr“, sagt er, „war ein unbeschreibliches Geduldsspiel.“ Mit mehreren älteren Kollegen habe er über das Wetter gesprochen. Keiner konnte sich an eine so lange Phase ununterbrochenen Regens im Frühjahr erinnern. „Es gibt Zeiten, da kann man mal zwei oder drei Wochen nicht ins Feld“, sagt er. „Aber keine sechs Wochen! Das ist eine Katastrophe.“

Der Biolandwirt konnte seine Felder auch nicht pflegen wie gewohnt. „Normalerweise wird unser Getreide im Frühjahr zwei- bis dreimal gestriegelt. In diesem Jahr ging das nur einmal.“ Effekt: Das Unkraut zwischen den Halmen kann ungehindert wuchern. Außerdem fuhr Huber wegen des nassen Untergrunds kaum Dünger aus: „Der Boden kann die Nährstoffe im Frühjahr besonders gut aufnehmen“, sagt er. „Jetzt sind die Pflanzen schon zu groß.“ Die Qualität seines Getreides leide zwar nicht, doch alles würde sich viel langsamer entwickeln als üblich. Beim Bio-Roggen erwartet Huber wegen des kalten Frühjahrs weniger Ernte.

Sonne und Wärme statt Regen und Frost: Seit Mitte Mai bewegt sich der Wettertrend wieder ins Gegenteil. „Allmählich werden wir eingespurt auf den Sommer“, sagt Dirk Mewes vom Deutschen Wetterdienst. Diese Woche werden in Bayern bereits Temperaturen bis zu 30 Grad erwartet. Auch wenn wir in den Monaten März und April gefühlt eine Ewigkeit in Kühle und Nässe ausharren mussten: Laut DWD ist der Mai um rund 20 Prozent trockener als in den letzten Jahren. Das kann Ackerbaureferent Huber bestätigen. In Mittelfranken zeigten sich bereits Risse im Boden, weil keine großen Vorräte mehr in den tiefen Bodenschichten vorhanden seien.

Das Klima verändert sich, die Landwirte müssen mitziehen. Huber sagt: „Wir haben seit mehreren Jahren mit extremen Wettersituationen zu kämpfen.“ Ob wochenlanger Regen oder Trockenheit, die langen, stabilen Perioden seien eine große Herausforderung für Landwirte. „Wir werden Sorten brauchen, die klimaresistenter sind, die mit Dürre und Nässe besser zurechtkommen. Da muss uns die Zucht helfen.“

Darüber hinaus müssten sich die Bauern mit neuer Bewässerungstechnik beschäftigen. „Wir haben noch viele Anpassungsschritte vor uns“, sagt der Ackerbau-Experte voraus. Und das Tätigkeitsfeld ändert sich ja nicht: „Wir Landwirte leben und arbeiten mit der Natur“, fasst es Biobauer Huber zusammen. „Das ist unser Schicksal und unser Kapital. Da können wir nicht aus.“

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