München – Angesichts der vielen Reibereien, die den Start des Deutschlandtickets begleiteten, sieht die Bilanz nach einem Monat sehr positiv aus. Insgesamt sind nach Angaben des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) bisher zehn Millionen Tickets verkauft worden. Fünf der zehn Millionen Kunden sind Umsteiger, wechselten also von ihren bisherigen Abonnements zum Deutschlandticket. Weitere 4,3 Millionen Fahrgäste hatten bisher kein Abo, kauften bisher Einzelfahrscheine oder Monatstickets ohne Abo. Rund 700 000 Personen sind Neukunden. Die Verkehrszahlen würden noch steigen, meint VDV-Chef Ingo Wortmann.
Die regionalen Zahlen spiegeln in etwa den Bundestrend wider: MVG, MVV, BRB und S-Bahn haben bisher zusammen mehr als 400 000 Abos abgeschlossen. „Da wir bisher etwa 340 000 Abonnenten hatten, konnten wir alleine über die regionalen Apps und Kundencenter etwa 20 Prozent mehr Abonnenten gewinnen“, berichtet MVV-Chef Bernd Rosenbusch unserer Zeitung. Dazu kämen Käufe über den DB Navigator, die Zahlen liegen aber noch nicht vor.
Allein über 250 000 der 400 000 Abos wurden über die MVG abgeschlossen. Das liegt wohl auch daran, dass die MVG Tickets übergangsweise bis Ende des Jahres auf Papier (mit späterer Umwandlung in eine Chipkarte) anbietet. Etwa 40 Prozent der Kunden hätten sich für dieses physische Ticket zum Anfassen entschieden, heißt es bei der MVG.
Eine echte Zahl an Neukunden kann Rosenbusch indes noch nicht nennen. Allerdings: „Erfreulich und sicher eine echte Stärke des D-Tickets ist die Jobticket-Variante“, sagt der MVV-Chef. Es zeige sich, dass Arbeitnehmer „das D-Ticket vom Arbeitgeber wünschen, wenn nicht gar einfordern“. Und: Offenbar gebe es vor allem im „weitlaufenden Regionalverkehr“ ein Plus. Das Deutschlandticket lohne sich ja auch richtig für Abo-Kunden, die etwa aus Weilheim oder Garmisch-Partenkirchen mit dem Zug nach München pendeln.
Da sich die Verkäufe auf die großen Unternehmen konzentrieren, gehen die Erlöse kleinerer Betriebe zurück. Über diese Kehrseite der Medaille berichtet das bayerische Verkehrsunternehmen. Nach einer Umfrage des Landesverbandes bayerischer Omnibusunternehmen berichten über 90 Prozent der Busbetriebe über Einbußen beim Ticketverkauf. Denn wer früher als Gelegenheitsfahrer ein Ticket beim Busfahrer kaufte, der hat heute ein Deutschlandticket und steigt einfach ein. Es ist gesetzlich geregelt, dass den Unternehmen solche Verluste erstattet werden. Allerdings gibt es zunächst Abschlagszahlungen, eine detaillierte Endabrechnung wird noch dauern, heißt es beim Verkehrsministerium.
Bisher ist die Finanzierung des Deutschlandtickets in Grundzügen nur bis Ende 2024 geregelt – der Bund und die Länder teilen sich die anfallenden Kosten in Höhe von drei Milliarden Euro. Dieselbe Regelung gibt es, falls die Mindereinnahmen der Verkehrsunternehmen noch höher ausfallen sollten, also eine sogenannte Nachschusspflicht fällig wird. Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter drängt aber darauf, ausstehende Finanzierungsfragen „noch in diesem Sommer“ zu klären. Dabei müsse sich der Bund verpflichten, sich an der Finanzierung auch künftig zu beteiligen – und zwar selbst dann, wenn es teurer wird, also zum Beispiel 59 Euro kosten würde. Mit einer Preiserhöhung rechnen Insider aber erst ab 2025.
Eigentlich ist Bernreiter weiter Gegner des Deutschlandtickets. „Nach wie vor sage ich: Das Geld, das Bayern für das Deutschlandticket aufwenden muss, wäre besser in die Infrastruktur investiert gewesen.“ Das aktuelle Angebot müsse ausgebaut werden, das sei nur mit mehr Geld vom Bund möglich.
MVV-Chef Rosenbusch stimmt zu, sagt aber auch: Zumindest im MVV-Gebiet gebe es „keine Kapazitätsprobleme“. Eng sei es in den Zügen in Tourismusgebieten wie im Oberland. Aber das sei auch vor dem Deutschlandticket schon so gewesen.
Bernreiter bleibt Gegner des Tickets