Große Zeugensuche in Sauerlach

von Redaktion

VON VOLKER CAMEHN

Sauerlach – In einem Wohngebiet in Sauerlach parken am Samstagmittag vier große Polizeifahrzeuge. Rund 30 Beamte der Münchner Polizei steigen aus und gehen von Haustür zu Haustür, um mit Anwohnern zu reden. Nicht weit von Kornblumen- und Reißerweg war genau vor einer Woche eine 19-Jährige aus Erding von ihrem Freund am helllichten Tag erstochen worden. Sie hatte in Sauerlach Verwandte besucht. Samstag vor einer Woche wurde sie tot auf einem Feldweg am östlichen Rand der Gemeinde gefunden. Die Tatwaffe war ein Taschenmesser mit einer acht Zentimeter langen Klinge. Am Oberkörper der jungen Frau wurden zahlreiche Stich- und Schnittwunden gefunden. Der 22-jährige Täter hatte selbst die Polizei angerufen und sich anschließend das Leben genommen. Die Hintergründe der Tat sind völlig unklar. Deshalb will die Polizei an diesem Tag so viele Sauerlacher wie möglich befragen. Die Beamten klingeln an Haustüren und nehmen Aussagen zu Protokoll.

Am Bahnhofsplatz sitzen an diesem Nachmittag etliche Menschen mit einem Eis in der Sonne und genießen das schöne Wetter. Auch sie sprechen die Beamten an und fragen, ob ihnen vor einer Woche etwas aufgefallen sei. Hier – direkt am Bahnhof – soll sich das Paar vor der Tat lautstark gestritten haben – doch das ist noch nicht bestätigt. „Diesen Gerüchten müssen wir selbstverständlich nachgehen“, erklärt Polizeisprecherin Saskia Friedl. Ein enormer Aufwand – aber für die Polizei eine Chance, um die Hintergründe und das Tatmotiv besser verstehen zu können. Auch nach der dreistündigen Anwohnerbefragung gibt es keine Hinweise darauf, dass noch eine weitere Person in das tödliche Drama verwickelt sein könnte.

Anwohnerbefragungen wie diese seien bei der Aufklärung von Verbrechen kein ungewöhnlicher Vorgang, betont Saskia Friedl. Nicht einmal bei Ermittlungen, bei denen der Fall geklärt zu sein scheint. Vielmehr sei es erfahrungsgemäß so, dass viele Zeugen ihren Beobachtungen häufig erst mal keine Bedeutungen beimessen würden. Oder sie hätten einfach Angst, falsche Angaben zu machen und Unschuldige zu belasten. „Wenn man sie dann noch mal fragt, erinnern sie sich doch noch und können nicht selten nützliche Informationen liefern“, erklärt die Polizeisprecherin. Aber die Scheu gegenüber der Polizei ist groß: „Schon wenn sich Nachbarn über Ruhestörung beschweren, heißt es oft: Bitte nennen Sie nicht meinen Namen“, berichtet Saskia Friedl.

Geleitet wurde die Anwohnerbefragung in Sauerlach von zwei Ermittlerinnen des Münchner Kommissariats 11, das zuständig für Tötungsdelikte ist. Die gesammelten Antworten werden nun ausgewertet. Allerdings: Neue Erkenntnisse konnte die Polizei nicht gewinnen, erklärte Friedl noch am Samstagabend.

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