„Ich stehe für keine Partei“

von Redaktion

INTERVIEW Kabarettistin Monika Gruber über die Erdinger Groß-Demo gegen die Klima-Politik

In Erding findet am Samstag eine Groß-Demonstration gegen die „Heizungsideologie“ der Ampel-Regierung statt. Seit sich die Kabarettistin Monika Gruber (51) hinter den Organisator gestellt hat, ist die erwartete Teilnehmerzahl regelrecht explodiert. Die AfD rief dazu auf, sich dem Protest anzuschließen. Im Interview berichtet Gruber, wie sie mit dem unerwünschten Beifall von rechts umgeht.

Frau Gruber, Sie haben zur großen Demo gegen die „grüne Heizungsideologie“ nach Erding gerufen. Die Stadt rechnet mit einer womöglich fünfstelligen Zahl von Teilnehmern. Sind Sie nervös?

Ehrlich gesagt bin ich ziemlich nervös. Aber um vorneweg eins klarzustellen: Ich habe nicht zu der Demo gerufen. Mein Nachbar Franz Widmann stand allein mit einem Schild „Stoppt die Heizideologie von Herrn Habeck“ vor dem Erdinger Rathaus. Das Bild war in der Zeitung, als ich gerade auf Tour war. Bei meiner Rückkehr sagte ich ihm, dass viele seiner Meinung sind und dass er mir Bescheid geben soll, wenn er so etwas wieder plant. Er hatte bereits einen Zettel voll mit Nummern von Leuten, die ihm ebenfalls zur Seite stehen wollten. Also habe ich eine WhatsApp an meine Freunde geschickt, um ihn zu unterstützen. Und diese fürs private Umfeld gedachte Nachricht hat sich in einem Affenzahn verselbstständigt. Natürlich sind wir nervös geworden, wir wollen die Stadt ja nicht überfordern. Ich habe gehört, dass Busse kommen. Bäuerinnen, Waldbesitzer, Vertreter der Handwerkerinnung, Unternehmer, Energieberater, Bäcker, Metzger – aus ganz Bayern und sogar aus Österreich.

Offenbar haben Sie einen Nerv getroffen…

Ja, die Resonanz ist riesig. Wir mussten uns die Frage stellen, ob wir das stemmen können. Kurz haben wir überlegt, alles abzusagen. Aber das hätte vermutlich nicht mehr funktioniert. Der Frust über die Berliner Ampel-Politik ist so groß, die Leute würden trotzdem kommen. Außerdem wollen wir ja zu unserer Meinung stehen. Also haben wir mit unserem Oberbürgermeister und dem Landrat gesprochen, beide haben uns Unterstützung zugesagt. Zusätzlich habe ich freiwillige Ordner organisiert plus einen privaten Sicherheitsdienst, der sich mit den Sicherheitsbehörden vor Ort abstimmen wird.

Liegt die Resonanz am Thema oder an Ihrem Namen?

Vielleicht ein bisschen an meinem Namen – oder eher an der daraus resultierenden medialen Berichterstattung. Aber ich glaube, ich war nur das Ventil, das den Druck aus dem Kessel lässt. Die Verunsicherung in unserer Gesellschaft ist inzwischen so groß. Viele haben das Gefühl, dass endlich einer anspricht, was eine große Mehrheit empfindet. Nur deshalb stand Franz Widmann ja am Marktplatz. Wir sind keine Leugner des Klimawandels oder Gegner von sinnvollen Klimaschutz-Maßnahmen. Im Gegenteil, wir sind die liberal-konservative Mitte der Gesellschaft. Wir möchten die Natur und unser Heimat bewahren. Deshalb fordern wir eine Klimapolitik mit Vernunft und Besonnenheit und Transparenz – ohne dass dem Einzelnen wirtschaftlicher Schaden entsteht. Das, was jetzt von Herrn Habeck und der Ampel-Koalition gefordert wird, läuft zum Teil auf die Zerstörung von Wohlstand, Wohneigentum und von Existenzgrundlagen hinaus, die niemandem nützt. Auch der Umwelt nicht.

Die AfD hat offiziell zur Teilnahme an Ihrer Demo aufgerufen. Wie grenzen Sie sich ab?

Indem ich betonte, dass die Demo keine Parteiveranstaltung ist. Ich stehe für keine Partei. Ich mache das auch nicht als Kabarettistin. Sondern als Bürgerin der gesellschaftlichen Mitte. An diesem Tag wird die bürgerliche Mitte reden – und auf keinen Fall jemand von der AfD.

Lässt unerwünschter Beifall von rechts bürgerlichen Protest noch zu? Oder wird er entwertet, wenn sich die AfD dranhängt?

Wir leben immer noch in einer Demokratie. Auch jemand, der auf der vermeintlich falschen Seite steht, hat das Recht, ab und an mal an der richtigen Stelle zu klatschen oder etwas Richtiges zu sagen. Genauso wie diejenigen, die vermeintlich auf der richtigen Seite stehen, auch oft etwas Falsches sagen. Außerdem wäre es in dieser Situation das völlig falsche Signal, wenn man dieses Thema, das die Mehrheit der Menschen wirklich umtreibt, der AfD überlässt. Dieser Fehler wurde bereits in der Migrationspolitik gemacht.

Leise ist Ihre Kritik ja nicht.

Es muss doch erlaubt sein, dass man Gesetze und Maßnahmen der Regierung kritisieren darf. Das war früher meine Berufsdefinition. Ich habe mit der AfD so wenig zu tun wie mit der Politik von Herrn Habeck. Ich spreche als mündige Bürgerin. Und ich frage mich ernsthaft, warum zum Beispiel die Union nicht lauter ist. Wenn CDU und CSU in dieser Hinsicht weiter so zaghaft agieren, werden sich die meisten Menschen der bürgerlichen Mitte zwar nicht radikalisieren, aber manche werden sich aus Frust der AfD zuwenden.

Kritiker werfen Ihnen vor, dass Sie die Rolle der Kabarettistin verlassen und nun aktiv Politik machen. Wie weit darf Kabarett gehen?

Kabarett war immer schon Politik. Nun ist ein Punkt gekommen, an dem man als vernünftig denkender Mensch mit einem gewissen politischen Interesse einfach nicht mehr leise sein kann. Ich möchte mich weiter im Spiegel anschauen können, darum tue ich mir das Ganze an. Es geht ja nicht nur ums Heizungsgesetz, sondern um andere Themen, mit der die Bevölkerung bevormundet werden soll. Die Mehrheit hätte auch lieber Strom aus sicheren Atomkraftwerken anstelle von dreckigem Strom aus Braun- oder Steinkohle, die teilweise nicht einmal aus Deutschland stammt, sondern mit Dieseltankern um die halbe Welt geschippert wird.

Was sagen andere Kabarettisten zu Ihrer Demo?

Wenige Kollegen sagen: Du hast recht, super, dass du dich das traust. Der größte Teil sagt sicherlich: Die Gruberin ist verrückt geworden. Kabarett hat sich seit der Flüchtlingskrise 2015 und dann noch mal durch die Pandemie leider in zwei unversöhnliche Lager aufgeteilt. Ich brauche keinen Zuspruch aus meiner Sparte. Ich war immer ein politischer Mensch, sehe mich aber nicht als politische Kabarettistin. Ich bin eine Komikerin im klassischen Sinn. Ich habe immer Geschichten aus dem Leben erzählt – und dabei wäre ich am liebsten geblieben. Aber jetzt würde ich es mir nicht verzeihen, wenn ich den Mund nicht aufmachen würde. Ich bin in einem christlich geprägten, bodenständig-landwirtschaftlichen Kosmos aufgewachsen. Vieles, was jetzt abläuft, ist mit den Werten, die mir meine Eltern vorgelebt haben, nicht mehr vereinbar.

Welche Reaktionen haben Sie dafür bekommen?

Es war alles dabei. Aber die Reaktionen waren zu 90 Prozent positiv. Natürlich gab es auch Angriffe, die relativ schnell persönlich, unsachlich und teils auch ziemlich sexistisch wurden. Einige beschuldigten mich, ich würde den Klimawandel verharmlosen. Das tue ich aber nicht. Ich wünsche mir nur eine Klimapolitik, die die Menschen mitnimmt und ihre Sorgen ernst nimmt – und die nicht nur für Lastenfahrradnutzer in der Großstadt gemacht wird oder militante Veganer.

Gab es auch eine Reaktion von den Grünen?

Nicht direkt, aber es ist eine Gegendemo angemeldet. Den Slogan finde ich fast putzig: „Gruber, bleib bei deinen Leisten.“ Wenn die Argumente ausgehen, wird’s persönlich. Respekt habe ich davor schon, denn ich fürchte linke Chaoten genauso wie rechte. Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass jeder etwas sagen darf – ich habe keine Angst vor Konfrontation. Aber ich habe etwas Angst davor, dass sich Aggressionen aufschaukeln könnten, deshalb möchte ich alle Teilnehmer dazu aufrufen, sich besonnen zu verhalten und sich nicht provozieren zu lassen. Wir sind Demokraten – so sollten wir uns auch verhalten.

Haben Sie als Kind der Region Angst, dass man es Ihnen in die Schuhe schieben könnte, wenn es in Erding zu Randalen zwischen Rechten und Linken kommt?

Es ist meine Heimatstadt und ich habe deshalb eine Verantwortung. Mir ist wichtig, dass wir die Demo friedlich über die Bühne bringen. Ich will kein Gegeneinander. Wir wollen unseren Standpunkt äußern und ich bin überzeugt, dass wir für die Mehrheit der Bevölkerung sprechen. Ich will sicher nicht in die Politik, aber ich stehe zu meiner Meinung. Und ich hoffe, dass unsere Kundgebung erst der Anfang ist. Mein Wunsch wäre, dass die Politik sehr genau zuhört – nicht erst, wenn noch viel mehr Menschen auf die Straße gehen. Wir dürfen den politischen Diskurs nicht den Rändern überlassen.

Interview: Georg Anastasiadis Katrin Woitsch

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