Erdinger Demo spaltet die Kabarettisten-Szene

von Redaktion

Bruno Jonas und Helmut Schleich verteidigen Monika Gruber gegen Hans Well und Christian Springer

München – Die Erdinger Demo gegen die „Heizungsideologie“ und das Engagement von Monika Gruber polarisieren Bayerns Kabarettisten-Szene. Während Christian Springer die Demo via Youtube scharf verurteilte („Ein unglaublicher Vorgang – ein Kampf um ultrarechte Stimmen, der schiefgehen wird!“), sieht es Bruno Jonas von der Lach- und Schießgesellschaft ganz anders: „Wenn Gruber auf die Theresienwiese kommt, dann werde ich auf der Bühne an ihrer Seite sein“, sagte er dem „Spiegel“.

Dagegen wiederum bezieht Till Hofmann, Kulturmanager und Größe in der Münchner Kleinkunstszene, auf Facebook Stellung: Ihn schaudere, schreibt er – und ätzt: „Die neue Geisterbahn auf der Wiesn. Kommen Sie! Garantiert mit kalten Schauern und warmen Worten vor sich hin meinender Laubbläser auf dem ehemaligen Kabarettismus.“

Ähnlich sieht es Hans Well (Wellbappn, Ex-Biermösl-Blosn). Er schreibt unserer Redaktion: „Etwas Saukomisches braut sich da auf der Wiesn zusammen. Die hl. Monika der Ölheizungen und Bruno der Auf-Rechte stehn Seit an Seit und sammeln sich mit CSU, FW und ganz anderen zum Marsch auf Berlin, um sich von der ,rot-grünen Mischpoke‘ (M. Gruber) gegen Festungshaft bei Fleischessen, Gendern und Ölheizungen die ,Demokratie zurückzuholen‘! Wenig Lach – viel Schieß!!“

Helmut Schleich indes springt Bruno Jonas bei. „Ich verstehe nicht ganz, wo die unglaubliche Aufregung herkommt“, sagt er unserer Zeitung. Wenn es heiße, so eine Demo brauche kein Mensch, dann frage er sich schon, wo die 13 000 Demonstranten herkamen. Es sei ein „Reflex“, alle Protestler im AfD-Lager zu verorten. „Das ist mir zu billig.“ Es seien auch gute Redner auf dem Erdinger Podium gewesen, zum Beispiel der CSU-Abgeordnete Ritt, ein gelernter Kaminkehrermeister und damit Fachmann. Ein Fehler sei der Auftritt von Spitzenpolitikern gewesen. „Sobald der Ministerpräsident auf einer Protestveranstaltung redet, wird es schräg.“ Die Sprüche von Aiwanger nennt Schleich „derbe Rhetorik, keine Frage“. Zu einer denkbaren neuerlichen Demo sagt er: „Wenn Monika Gruber mich fragt, würde ich es mir überlegen, auch zu kommen.“ Es komme auf den Rahmen an.

Grubers Management hat indes bestätigt, dass es keine Veranstaltung auf der Theresienwiese geben werde. Doch die Diskussion ist losgetreten – auch innerhalb der Freien Wähler: Gerhard Losher (69), Mitglied der Freien Wähler in München, wendet sich mit einem offenen Brief an Aiwanger. „Hubert, wo stehst Du?“, ist er überschrieben. Losher war einst an der Seite des FW-Urgesteins und ehemaligen Landrats Armin Grein Pressesprecher der FW. Grein habe immer gesagt, es gelte, „rechtes Unkraut zu jäten“. Der Satz Aiwangers, man müsse sich „die Demokratie wieder zurückholen“, habe ihn da erschüttert. Das seien „Parolen der AfD“. DIRK WALTER

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