Schwangau unter Schock

von Redaktion

Gewalttat bei Neuschwanstein bewegt Touristen – Täter wird nicht ausgeliefert

Schwangau – Zwei Tage nach der Gewalttat nahe Neuschwanstein ist die Betroffenheit in Schwangau groß. Rund um das Schloss sind viele Touristen unterwegs, auf der beliebten Marienbrücke drängen sich wie sonst auch die Besucher. Doch das Verbrechen ist gegenwärtig. Hier hatte am Mittwoch ein 30-jähriger Amerikaner zwei Touristinnen den Abhang hinuntergestoßen (wir berichteten). Vorher soll es zu einem Sexualdelikt gekommen sein. Die 21-Jährige starb, die 22-Jährige kam verletzt ins Krankenhaus. Die beiden Frauen sind ebenfalls Amerikanerinnen, es handelte sich jedoch um eine Zufallsbekanntschaft.

Besonders unter den amerikanischen Touristen ist die Betroffenheit groß. „Als Mutter bricht mir das Herz“, sagt eine Frau, die mit ihren Kindern im Teenager-Alter zum Schloss gekommen ist. „Wir haben gezögert und uns Gedanken gemacht, ob es sicher ist.“ Ein Mann, der ebenfalls aus den USA angereist ist, findet es besonders perfide, dass der Täter die jungen Frauen in einen Hinterhalt gelockt hat. „Er hat sie eiskalt ausgetrickst“, sagt er. „Sie haben ihm vertraut, weil er ein Landsmann war.“

Auch bei der Bayerischen Schlösserverwaltung ist die Betroffenheit groß. Dennoch läuft der Betrieb normal weiter. Aktuell ist Hochsaison, die Führungen auf Schloss Neuschwanstein sind ausverkauft. Ein Sicherheitsunternehmen ist mit stichprobenartigen Kontrollen der Besucher beauftragt und regelt bei hohem Besucherandrang den Zugang zur Marienbrücke. Schwangaus Bürgermeister Stefan Rinke rechnet nicht damit, dass der Touristenandrang nach der Tat zurückgehen wird. Es handle sich um eine entsetzliche Einzeltat, sagt er. Die Ermittlungen am Tatort sind bereits abgeschlossen. „Für die Besucher sind keine Spuren oder Absperrmaßnahmen mehr wahrnehmbar. Die Sicherheit unserer Gäste ist voll gewährleistet“, betont der Bürgermeister.

Die verletzte 22-Jährige befindet sich weiterhin im Krankenhaus. „Wann sie entlassen wird, können wir nicht sagen“, berichtet Oberstaatsanwalt Thomas Hörmann. Die Frau hat bei dem Sturz in die Schlucht Prellungen und eine Platzwunde am Kopf erlitten. Der Amerikaner befindet sich wegen Mordes und Mordversuchs in Untersuchungshaft. Auch wegen des Sexualdelikts wird gegen ihn ermittelt. Hinsichtlich letzterem müssten die Ermittlungen aber noch abgewartet werden, betont die Polizei. Die Ermittler bitten Touristen weiterhin um Fotos und Videos, um das Tatgeschehen zu rekonstruieren.

Der 30-Jährige soll vorerst nicht ausgeliefert werden. Im Fall einer Verurteilung sei aber später eine Überstellung zur Strafvollstreckung denkbar, sagt Hörmann. Das US-Außenministerium erklärte, Kenntnis über den Fall zu haben. Das US-Konsulat in München beobachte die Situation und stehe in Kontakt mit den zuständigen Behörden, sagte Sprecher Matthew Miller. Der Verdächtige hatte sich zu den Vorwürfen vor dem Ermittlungsrichter geäußert, zum Inhalt macht er allerdings keine Angaben. Ob sich der 30-Jährige allein in Deutschland aufgehalten hat und wie lange er schon im Land ist, sei unklar. RICCARDA GSCHWEND IRENA GÜTTEL

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