Waldfest-Wissen für Anfänger und Profis

von Redaktion

Saison angelaufen: Termine, Kleiderordnung – und Gesprächsstoff für den Flirt auf der Bierbank

Tegernsee – Die Waldfest-Saison im Tegernseer Tal im Kreis Miesbach ist in vollem Gange. Fast jedes Wochenende findet ein Fest in einer der Gemeinden statt. Das hat Tradition, weiß Heimatpfleger Beni Eisenburg. Der 88-Jährige ist gebürtiger Gmunder und hat auf den Waldfestln getanzt, seitdem er denken kann. Vor 150 Jahren fand wohl das erste seiner Art statt. Mit den Veranstaltungen, zu denen heute tausende Besucher strömen, hatte das aber wenig zu tun – oder?

Seit wann gibt es Waldfeste überhaupt?

Die Vorläufer der Waldfeste kennt heute niemand. „Im Sommer 1873 hat die Tegernseer Gesellschaft Frohsinn zum ersten Gartenfest in Abwinkl geladen“, sagt Eisenburg. „Die längst vergessene Gesellschaft bestand aus honorigen Bürgern, die sich sozial engagierten. Die Bürgerschaft, reichere Handwerksmeister und Geschäftsleute, aber auch die einfachen Leute wurden zu Speis, Trank und Blechmusik geladen.“

Ab 1900 sprießen die Waldfestl und Heimatabende wie Schwammerl aus dem Boden. 1908 laden die Hirschbergler Trachtler erstmals zum Gartenfest. Bis heute ist ihr Waldfest am Fuße des Wallbergs beliebt. 1925 veranstaltet der Skiclub Rottach-Egern sein erstes Fest. Die Tegernseer Gebirgsschützen ziehen erst 1988 nach – ihr Waldfest findet auch diesen Sonntag statt.

Waren die Festl immer Touri-Magneten?

In Finsterwald gibt es heute kein Waldfest mehr, aber 1910 lud dort der Verschönerungsverein zum „Waldvolksfest zu Ehren der Sommergäste“. Touristen haben sich also von Anfang an auf den Festln getummelt. „Das Publikum war immer schon gemischt und den Vereinen ging es auch damals um Lukrativität“, sagt Eisenburg. „Freilich waren damals viel weniger Urlauber hier. Als ich ein Bub war, wohnten nur ein, zwei Familien in Zimmern bei einem Bauern.“

Ist Tracht Pflicht?

Die Maschinen der Dirndlschneider laufen vor Saisonbeginn heiß. Bis heute ist ein Waldfest auch Laufsteg. „Die Vereine sind froh um jeden, der kommt. Ohne geht in Ordnung, aber in Tracht passt man besser dazu“, sagt Eisenburg. „Schön, dass die Jugend viel Wert darauf legt – und selbst Freunde von weither erst mal ausstattet, bevor es aufs Waldfest geht.“

Die ersten Sommerfrischler waren noch inkognito dort. Als Ikonen wie Sängerin Paula Wessely und Romy Schneider in „Sissi“ sich aber im Dirndl präsentierten, wollten alle eines. Auch die Einheimischen gingen mit der Mode: „Die Fischbachauer Sängerinnen sind in den 1960er-Jahren in Mini-Dirndl und Strümpfen aufgetreten.“

Ist Waldfest-Freunden kein Weg zu weit?

Busse voller Waldfest-Narrischer und der Kampf ums Taxi sind keine modernen Erscheinungen. Nur kommen die Leute heute von noch weiter her. „Die Anfahrt ist immer in Kauf genommen worden“, so Eisenburg. „Es war Brauch, dass andere Vereine mit geschmückten Daxwagen zu den Festen fahren.“

Als zum Beispiel die Leonhardstoana 1925 zum vierten Mal ihr Gartenfest veranstalteten, hatte sich wohl schon herumgesprochen, dass es sich in Kreuth gut feiern lässt. (Das ist bis heute so!) Damals kamen 60 Trachtler mit dem Lastauto aus dem 23 Kilometer entfernten Hausham. Bei Regen wurde in der Hütte weitergefeiert. 4000 Waldfest-Gänger passen da nicht mehr rein. Bei plötzlichen Sommergewittern wird heute aber unter Vordächern oder in der Bar weitergefeiert.

Wird die Feierei wilder?

Beim Waldfest des FC Real Kreuth war vergangenes Wochenende das zweite Jahr in Folge eine Sicherheitsfirma mit 15 Mitarbeitern vor Ort. Sie kontrolliert Jugendschutz und die Obergrenze von 4000 Besuchern. Bei nicht mal zehn Prozent der heutgen Besucherzahlen war das früher nicht nötig. „Welche, die bissl zu viel Bier erwischt oder g’rafft haben, gab’s aber früher auch“, sagt Eisenburg.

Sind Waldfeste die besten Partnerbörsen?

Obandln wird großgeschrieben. Eine offizielle Statistik, wie viele Ehen und Kinder aus Waldfesten hervorgegangen sind, gibt es nicht. „Wie beim Maibaumaufstellen auch hatte man hier aber die Gelegenheit, Leute aus den Nachbarorten kennenzulernen“, erklärt Eisenburg. „Damals wie heute sollen sich ja auch mal Paare Richtung Wald oder See verzogen haben.“

Wie dick muss der Geldbeutel sein?

Beim Waldfest der Gebirgsschützen Tegernsee in Rottach-Egern kosten die Halbe Bier am Sonntag vier Euro und der Ochsenbraten mit Kartoffelsalat 15,50 Euro.

CORNELIA SCHRAMM

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