München – Die schweren Gewitter über Deutschland haben gestern Abend auch in Teilen Oberbayerns Spuren hinterlassen. In Starnberg hielten heftige Niederschläge mit Hagel die Feuerwehr in Atem. Rund 20 Feuerwehren mussten wegen umgestürzter Bäume ausrücken. Für den Osten des Landkreises Starnberg galt die Unwetterwarnstufe 5, also die höchste. Die Messstation am Kloster Schäftlarn zeigte an, dass am frühen Abend innerhalb von nur 25 Minuten 23 Liter Rege pro Quadratmeter fielen. Allein zwischen 19.00 und 19.05 Uhr waren es mehr als elf Liter.
In München war der S-Bahn-Verkehr teilweise massiv beeinträchtigt. In manchen Zügen konnten Türen wegen der heftigen Niederschläge kaum geöffnet werden. Ein Fahrgast berichtete aus Allach, wo die Bahn einen Stopp einlegen musste, nachdem Wasser in den Fahrgastraum eingedrungen war. In Valley (Landkreis Miesbach) gingen golfballgroße Hagelkörner nieder. Von Schäden war bei der Polizei zunächst allerdings nichts bekannt.
Das Polizeipräsidium Oberbayern Nord verzeichnete umgestürzte Bäume und überflutete Straßen. „Keine größeren Sachschäden“, hieß es dort dennoch. Auch sei niemand verletzt worden.
Es habe mehrere Alarme gegeben, ein Baum sei im Landkreis Kulmbach über eine Nebenstraße gekippt, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberfranken. Auch andernorts gab es Gewitter und Regen.
Über Schwaben regnete es, jedoch registrierte die Polizei keine erhöhten Einsatzzahlen aufgrund des Wetters, wie ein Sprecher des Polizeipräsidiums Schwaben Süd sagte. Beim Polizeipräsidium Schwaben Nord hieß es: „Bei uns war gar nichts. Wir haben keine Unwettereinsätze.“ Ähnlich war die Lage in Mittelfranken.
Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hatte teils Starkregen, Hagel und Sturmböen angekündigt. Mancherorts könne es bei Gewittern zu heftigem Starkregen mit bis zu 40 Litern pro Quadratmeter innerhalb kurzer Zeit kommen. Auch seien Sturm- bis Orkanböen mit Windgeschwindigkeiten von 80 bis 120 Stundenkilometer möglich. Die Unwettergefahr nehme in der zweiten Hälfte der Nacht zum Freitag von Westen her ab.
Heftiger machten sich die Unwetter in anderen Teilen Deutschlands bemerkbar, vor allem in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Sachsen-Anhalt. Im Sauerland rückten Feuerwehr und Polizei schon am Nachmittag zu zahlreichen Einsätzen aus. Wie die Polizei Märkischer Kreis berichtete, liefen Keller voll, Straßen wurden überflutet und Gullys hochgedrückt.
In Hessen richtete ein kurzes, aber intensives Gewitter enorme Schäden an. Im Frankfurter Vorort Sindlingen fielen mehrere Bäume auf eine Oberleitung in Bahnhofsnähe. Mehrere Autos wurden schwer beschädigt. „Die Leute haben ein Riesenglück gehabt“, sagte ein Feuerwehrsprecher angesichts der regelrecht platt gedrückten Fahrzeuge in einem Wohngebiet – es blieb bei Sachschaden. Angesichts der Vielzahl der Feuerwehreinsätze war der Notruf überlastet. Ein Sprecher appellierte, nur in wirklichen Notfällen anzurufen, mit Wartezeiten müsse gerechnet werden.
Auch weiter östlich gab es ähnliche Meldungen. Wegen des Unwetters sagten die Veranstalter des Full-Force-Musikfestivals bei Gräfenhainichen in Sachsen-Anhalt die für gestern Abend geplante Warm-up-Party ab. Die Sicherheit habe höchste Priorität, hieß es in einer Mitteilung. „Bitte macht eure Zeltplätze sturmsicher, sichert lose Gegenstände oder baut sie wieder zurück und baut bitte keine weiteren Pavillons mehr auf.“ Im Falle eines Unwetters sollten die Teilnehmer Schutz in Autos suchen. Durch das Einschalten der Warnblinkanlage könne man signalisieren, dass noch Plätze im Auto frei seien.
In Kassel wurde der Betrieb von Bussen und Bahnen komplett eingestellt. Diese Maßnahme am Nachmittag sei aus Sicherheitsgründen gewählt worden, teilte die Kasseler Verkehrsgesellschaft (KVG) mit. „Stürmische Böen, extreme Regenfälle und Hagelschauer hatten zum Beispiel zu überfluteten Straßen und Gleisen, auf Gleise oder Oberleitungen gestürzte Äste und Bäume geführt, die die Fahrwege blockiert haben. Es entstanden Sachschäden an Fahrzeugen in noch unbekanntem Ausmaß“, so die KVG. mb/dpa