Kassel – Das schwere Unwetter am Donnerstagnachmittag sorgte in Stadt und Kreis Kassel für verheerende Verwüstungen. Gegen 16.30 Uhr erfasste die Gewitterzelle das Stadtgebiet und wütete eine halbe Stunde lang. Polizei und Feuerwehr zählten 1045 Einsätze, berichtete Kassels OB Christian Geselle am Freitag in einer Bilanz des Unwetters. Etliche Menschen erlitten durch den Hagel Platzwunden.
Eine der Hauptbetroffenen des Unwetters in Nordhessen war die Deutsche Bahn. Auch am Freitagmittag konnten die Züge auf der Strecke Kassel–Göttingen noch nicht wieder verkehren, sagte eine Sprecherin. Die Strecke Fulda–Bebra war nur eingleisig befahrbar. In Kassel blieben am Freitag Schulen und städtische Kitas abgesehen von einer Notbetreuung geschlossen. In den meisten Fällen habe es sich bei den Notrufen um umgestürzte Bäume, überschwemmte Keller und abgedeckte Dächer gehandelt, so ein Polizeisprecher. Mehrere Straßen, die in der Nähe von Flüssen und Bächen liegen, wurden geflutet. Auf dem Philosophenweg wurden Autos durch die Wassermassen fortgetragen. Unzählige Fahrzeuge wurden durch Hagel, Astbruch und umgefallene Bäume beschädigt. Die Feuerwehr war überlastet – sie appellierte, selbst mit anzupacken. Das taten auch viele Kasseler. Auf einer Straße etwa räumten zwei junge Männer mit bloßen Händen einen vollgelaufenen Gully frei – manche Passanten applaudierten. Weil die Wassermassen Klinkersteine am Boden wegrissen, gab es teilweise knöcheltiefe Pfützen auf den Gehwegen. Der Vorplatz des IC-Bahnhofes glich einem See. Das Untergeschoss der Galeria am Opernplatz musste gegen 17 Uhr geschlossen werden, so Michèl Meijboom, der kaufmännische Leiter der Galeria: Unten stand 20 bis 30 Zentimeter hoch das Wasser.
Während des halbstündigen Unwetters waren je nach Lage 25 bis 50 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen, eine Wassermenge, so viel, wie sonst in einem Monat fällt.
U.PFLÜGER-SCHERB/B. LUDWIG