Übersee – Jedes Jahr, kurz vor Saisonstart am 1. Mai, schleppt Andreas König seine Palmen zum Chiemsee-Strand. Sie sind riesig, jede drei bis vier Meter hoch. Als der Chef der Beach Bar in Übersee die grünen Exoten vor langer, langer Zeit in Rom gekauft und über den Brenner gekarrt hat, haben sie noch alle in seinen VW Bus gepasst. Den Winter über stehen sie im Café des Strandbads in Übersee, jetzt sorgen die Exoten für Urlaubsgefühl in Oberbayern.
Seit 20 Jahren betreibt König die Gastronomie im Strandbad Übersee. Sitzt man hier abends, die Zehen im Sand, den Cocktail in der Hand, ist man schon sehr nah dran am Paradies. Die Sonne geht unter und bringt den See zum Glühen. Schöner ist’s in der Karibik wohl auch nicht – und hier schaut man sogar auf die Kampenwand.
Inzwischen gibt es immer mehr Orte in Bayern mit Beach-Feeling. Andreas König ist in der Branche wohl ein Pionier. Als er angefangen hat, gab es nix Vergleichbares, sagt er. Erst verkaufte er Getränke aus einer kleinen Hütte heraus, davor gab es eine Feuerstelle. Anfangs kamen bloß ein paar Leute, irgendwann wurden es immer mehr – und dann stand plötzlich die Polizei an der Bar. Es gab nämlich keine Baugenehmigung. „Also musste ich ins Landratsamt“, erinnert sich König. Dort zierte man sich erst, aber König hatte Glück: Kurz zuvor hatte es die kleine Strandbar nämlich in den renommierten Reiseführer Marco Polo geschafft. So einem Tourismus-Juwel wollten die Beamten natürlich keinen Strich durch die Rechnung machen: Die Sondergenehmigung wurde erteilt. Seitdem wächst die Gastronomie, die König betreibt, fast jedes Jahr. „Mit viel Liebe“, betont der 50-Jährige.
Im Winter reist er oft nach Asien, dort holt er sich Anregungen für die Deko der Strandbar daheim. Die Lampen zum Beispiel sind aus Thailand, König hat sie in riesigen Paketen nach Oberbayern geschickt. Viele Möbel, etwa die Bar oder Sitzgelegenheiten, baut er aus Schwemmholz. Das fischt er aus dem Chiemsee, trocknet es. „Schaut gut aus und kostet nichts“, sagt König und lacht. Und so schuf er in der Feldwieser Bucht ein absolutes Unikat im Chiemgau.
Auch der „Chiemsee-Alpenland Tourismus“ wirbt für das Strandbad am südöstlichen Ufer. Auf der Internetseite wird vom „längsten zusammenhängenden Sandstrand Süddeutschlands“ geschwärmt. Fünf Kilometer soll er lang sein. Doch der Sand, der schon da ist, reicht König nicht. Jedes Jahr lässt er von den Quarzwerken in Tirol bis zu zwei Lastwagen-Ladungen Sand aufschütten. „Beach-Volleyball-Sand“, sagt er. Der ist schwer genug, dass er nicht gleich von jedem Windhauch verweht wird. Ohne genug Sand geht’s halt nicht an der Beach Bar: „Das gehört dazu, dass man barfuß durch den Sand laufen kann.“
Und freilich die Drinks: Ungeschlagen ist seit vielen, vielen Jahren der orange leuchtende Aperol Spritz (6,50 Euro). Auch klassische Cocktails wie Cuba Libre, Sex on the Beach oder Gin Tonic (alle 7,50 Euro) schenkt Königs Personal an die Gäste aus. Sogar ein eigenes Bier gibt es im Strandbad, König lässt von der Wieninger Brauerei aus Teisendorf im Berchtesgadener Land jedes Jahr einige Chargen abfüllen – das Helle kostet vier Euro. Neu ist heuer eine italienische Weinbar, wo es das Trendgericht Pinsa (9,50 Euro) gibt. An lauen Abenden kommen bis zu 500 Gäste zur Beach Bar. Viele waren erst im Strandbad (Eintritt: 4 Euro). Ab 17 Uhr stehen die Tore für Feierabend-Drinks offen. 400 Liegestühle bietet König kostenlos an. Mal legt ein DJ auf, mal gibt es Livemusik. Es gibt keinen festen Terminplan: „Wir überraschen unsere Gäste.“ Nur eins braucht König zum Aufsperren. Gutes Wetter. CARINA ZIMNIOK
. Anfahrt: Julius-Exter-Promenade 25, 83236 Übersee