Erster Wolf legal abgeschossen

von Redaktion

Neue Verordnung in Salzburg in Kraft: Jäger soll geheim bleiben

Salzburg – Eine Woche war die neue Verordnung erst in Kraft, die das Abschießen von so genannten „Problem-Wölfen“ im Bundesland Salzburg in ausgewiesenen Gebieten erlaubt, und schon hat ein Jäger am Samstagmorgen einen Wolf im Bereich Hochkönig und Steinernes Meer erschossen. Der genaue Ort sowie der Jäger bleiben geheim, aus Angst vor militanten Tierschützern. Für die neue Landesregierung ist wichtig, „dass die Verordnung greift“, so die beiden Landesräte Sepp Schwaiger und Marlene Svazek. „Wir tun alles, damit die Tiere auf unseren Almen vor Problem-Wölfen sicher sind.“

Ob der nun erschossene Wolf tatsächlich für gerissene Schafe verantwortlich ist wird sich aber erst in rund zwei Wochen nach einer Untersuchung in Wien herausstellen. Tierschützer protestieren nach wie vor gegen die Verordnung. Überhaupt sei die Frage, „ob man einem Wolf vorwerfen kann, dass er Schafe frisst, die ungeschützt auf der Weide stehen“, so Hannes Augustin vom Bund Naturschutz.

Hubert Stock, Bürgermeister von Werfen und gleichzeitig Wolf- und Bärenbeauftragter des Landes bestätigte den ersten legalen Abschuss im Rahmen der neuen Verordnung des Landes. „Der Schütze bleibt anonym, das haben wir ihm zugesichert, er ist ein offizieller Jagdausübungsberechtigter“, sagte er. Der Wolf liegt am Wochenende noch in einem Kühlraum im Pongau und wird dann nach Wien zum Forschungsinstitut für Wildtierkunde gebracht, „dort wird er dann genetisch untersucht, also ob es sich um den Wolf handelt, den wir als Problem-Wolf identifiziert haben“, so Stock. Ein 10-Kilometer-Radius rund um auffällige Wolfsrisse schließe allerdings aus, dass jeder Wolf im gesamten Bundesland geschossen werden dürfe.

Gegner der Verordnung sagen, wenn ein Wolf erschossen wird, kommt der nächste nach, das lässt Stock nicht gelten. „Das ist wie bei der allgemeinen Jagd, der Jäger sagt auch nicht, er braucht kein Rotwild zu erlegen, weil es kommt sowieso wieder was nach.“ Auch dass man mit einem besseren Herdenschutz Schaf- und Ziegenherden schützen könne, sieht der Wolfsbeauftragte nicht. „Die Bauern in Salzburg haben bereits rund 830 000 Euro in den Herdenschutz investiert, also dort, wo es möglich ist, meistens in der Nähe des Hofes.“ Im hochalpinen Bereich seien diese Schutzmaßnahmen allerdings nicht zumutbar und machbar. „Der Wolf ist mit der FFH-Richtlinie zwar besonders geschützt, aber diese Richtlinie sieht ausdrücklich Ausnahmen für sogenannte Problem-Wölfe vor, damit der Schutz der anderen Tiere wirksam bleibt“. Im gesamten Bundesland Salzburg stehen rund 20 000 Schafe und Ziegen auf den Weiden, seit Jahresbeginn wurden 42 Schafe, Ziegen und Lämmer nachweislich von Wölfen gerissen.

Hannes Augustin vom Bund Naturschutz in Salzburg nimmt den ersten Abschuss nach der neuen Verordnung „zur Kenntnis“, allerdings sei die Verordnung nicht EU-rechtskonform, „damit war der Abschuss eigentlich auch illegal“. Der 10-Kilometer-Umkreis von Orten, wo Wölfe Schafe gerissen haben sollen, sei willkürlich, „früher durfte nur ein bestimmter Wolf getötet werden, der nachweislich Schafe gerissen hatte, jetzt darf irgendein Wolf getötet werden, und im Nachhinein wird erst untersucht, ob es ein Problem-Wolf war“. MICHAEL HUDELIST

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