Unfall-Tragödie beim Videodreh

von Redaktion

Auf Panoramastraße: 22-jähriger Motorradfahrer stirbt, Kinder schwer verletzt

Roßfeld/Berchtesgaden – Wenn Georg Kastner und seine Kameraden von der Freiwilligen Feuerwehr Berchtesgaden zu einem Unfall ausrücken, nutzen sie die Anfahrt, um sich auf das vorzubereiten, was sie am Einsatzort erwartet. Am Samstagabend ist die Anfahrt lang. Am Scheitelpunkt der Roßfeld-Panoramastraße hat es einen schweren Unfall gegeben, „Motorrad gegen Pkw, mehr wussten wir nicht“, sagt Kastner. Die Alarmierung habe sich dramatisch angehört, mehrere Personen sollen betroffen sein, hieß es. „Man macht sich auf die Einsatzlage gefasst. Aber was wir hier vorgefunden haben, das hätten wir uns nicht vorstellen können.“

Als die Feuerwehr eintrifft, versuchen Rettungskräfte bereits verzweifelt, einen 22-jährigen Motorradfahrer zu reanimieren. Etwa hundert Meter entfernt liegt ein schwerst verletzter 19-Jähriger. Und zwei Mädchen im Alter von vier und sieben Jahren müssen versorgt werden, sie haben schwere Verletzungen an den Beinen erlitten, ihre schwangere Mutter steht unter Schock. Doch was war geschehen?

Nach den Aussagen mehrerer Augenzeugen war eine Motorradgruppe mit über 20 jungen Bikern aus Österreich ans Roßfeld auf 1600 Metern gekommen, um diverse Manöver mit ihren Maschinen zu fahren. Ein 19-Jähriger aus Hallein stand auf der Fahrbahn und filmte die Aktionen. Dann fuhr ein Mitglied der Gruppe, 22 Jahre alt und aus Vöcklabruck, mit hoher Geschwindigkeit auf den Filmer zu. Er verlor die Kontrolle über seine Kawasaki Ninja „und erfasste den 19-Jährigen in voller Fahrt“, wie es von der Polizei heißt.

Der Jüngere wurde weggeschleudert, und die Maschine schlitterte weiter über den Asphalt. Dann erfasste das Motorrad zwei Mädchen aus Berchtesgaden, die mit ihren Eltern gekommen waren, um den Sonnenuntergang zu sehen. Während der Vater und die schwangere Mutter unverletzt blieben, erlitten die Vierjährige und ihre siebenjährige Schwester schwere Beinverletzungen. Das Motorrad rammte das Auto der Familie, neben dem der 22-Jährige liegen blieb. Für ihn kam jede Hilfe zu spät: Er starb noch an der Unfallstelle.

Den Rettern steht am Samstag ein langer Einsatz bevor. Während die Feuerwehren aus Berchtesgaden und Oberau die Unfallstelle ausleuchten, versorgen die Rettungskräfte den schwerst verletzten 19-Jährigen und die beiden Mädchen, die mit insgesamt drei Hubschraubern ins Landeskrankenhaus Salzburg geflogen werden. Auch die Mutter der beiden muss versorgt werden, sie hat einen Schock erlitten und wird mit dem Rettungswagen in die Klinik gebracht. Die Staatsanwaltschaft schickt einen Gutachter an die Unfallstelle, sowohl das Motorrad als auch der Leichnam des 22-Jährigen werden sichergestellt.

Die Roßfeld-Panoramastraße ist die höchstgelegene Panoramastraße Deutschlands und kann im Süden über den Obersalzberg oder von Norden von der Oberau aus befahren werden. Sie ist eine beliebte Strecke bei Motorradfahrern. Nicht selten verunglücken hier Biker. Erst Mitte Juni zog sich ein 19-Jähriger schwere Verletzungen zu. Vergangenen August starb hier ein Franzose.

„Wir sind erfahren am Roßfeld“, sagt Georg Kastner. Er hat als Feuerwehrler bereits einige Einsätze hier gehabt und war auch bei einigen schwere Motorradunfällen im Einsatz. „So eine Schadenslage habe ich noch nie erlebt.“ Nachdem sie Polizei und Rettungsdienste unterstützt hatten, brachten sie die Mitglieder der Motorradgruppe ins Feuerwehrhaus nach Berchtesgaden. Dort wurden die überwiegend jungen Motorradfahrer vom Kriseninterventionsteam betreut. Das steht nach Unfällen wie diesem auch den Einsatzkräften zur Verfügung. Kastner: „Für uns ist das auch nicht Alltag.“ KATHRIN BRACK

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