Flugplatz geizt mit Zahlen

von Redaktion

Oberpfaffenhofen: Verein beklagt mangelnde Transparenz

Oberpfaffenhofen – Eine Bürgerinitiative streitet mit der Bezirksregierung um Transparenz beim Flugbetrieb in Oberpfaffenhofen (Kreis Starnberg). Am dortigen Sonderflughafen wird viel Werks- und Sonderflugverkehr abgewickelt, zum Leidwesen der Anwohner starten dort aber zunehmend auch private Geschäftsflieger (wir berichteten). Die Zahlen lassen sich nur mit Mühe eruieren, kritisiert Helmut Mattes vom Verein Fluglärm in Gilching. Das bei der Regierung von Oberbayern angesiedelte Luftamt Südbayern als „zuständige Genehmigungs- und Aufsichtsbehörde ist uns keine Hilfe“, klagt Mattes gegenüber unserer Zeitung. „Wir laufen ständig gegen Wände.“

Zahlen zum Flugbetrieb in Deutschland sind – mit Ausnahme desjenigen in Oberpfaffenhofen – eigentlich relativ einfach zu bekommen. Die Deutsche Flugsicherung veröffentlicht die Zahl der Starts und Landungen auf großen wie kleinen Airports monatlich auf ihrer Homepage dfs.de. Der Flughafen München publiziert zudem auf seiner Homepage jeden Monat einen Bericht mit der Aufschlüsselung der Flugzahlen.

Allerdings wurde nach einer Ausschreibung die Flugsicherung über Oberpfaffenhofen der österreichischen Austrocontrol GmbH zugeschlagen – und diese veröffentlicht nur Zahlen über Flughäfen in Österreich, nicht aber in Deutschland. Auf Anfrage unserer Zeitung verweist die Austrocontrol auf den Betreiber des Flugplatzes Oberpfaffenhofen. Auch hier ist es kompliziert: Der Flugplatz Oberpfaffenhofen gehört der Trierer Triwo AG, die vom Präsidenten der Deutschen Industrie- und Handelskammer, Peter Adrian, gegründet wurde. Der operative Betrieb unterliegt jedoch der Edmo Flugbetrieb GmbH. Adrian kündigte an, sich am heutigen Dienstag zu äußern.

Die Regierung von Oberbayern hatte – wie zuvor auch unserer Zeitung – dem Verein Fluglärm nach einigem Hin und Her Monatszahlen zu den Flugbewegungen 2022 zur Verfügung gestellt. Daraus geht hervor, dass in Oberpfaffenhofen insgesamt 11 688 Starts und Landungen abgewickelt wurden. Davon waren die Mehrzahl, nämlich 5605 Flüge, sogenannte Geschäftsflüge von Privatfliegern. Die Zahl ist gesetzlich limitiert – mehr als 9725 Geschäftsflüge im Jahr dürfen es es nicht sein.

Monatliche Zahlen, wie sich der Flugbetrieb 2023 bisher entwickelt hat, gibt es indes nicht. Bekannt ist zum Beispiel, dass der FC Bayern München gerne ab Oberpfaffenhofen startet. Es gibt auch kleine Privatjets, die nach St. Tropez fliegen oder auch nur innerdeutsch nach Augsburg, Stuttgart oder Bremen.

Mattes hatte gegenüber dem Luftamt verlangt, dass die Flüge weiter aufgeschlüsselt werden und zum Beispiel auch die Forschungsflüge des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt extra aufgeführt werden. Aber das wird abgelehnt. „Das Erstellen einer solchen Statistik ist weder per Gesetz vorgeschrieben noch in der luftrechtlichen Genehmigung verfügt“, teilte ihm die Leiterin des Luftamts Südbayern mit. Auch für weitere Zahlen rückwirkend bis zum Jahr 2008, als der Flughafen für Geschäftsflüge zugelassen worden war, bestehe „aus unserer Sicht kein Bedarf“. DIRK WALTER

Eine Podiumsdiskussion

zum Flugplatz gibt es heute, 11. Juli, ab 20 Uhr, im Rathaussaal Gilching, mit Vertretern der Parteien.

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