DAS PORTRÄT

Seminare für den Frieden

von Redaktion

Gewalt erleben ukrainische Kinder jeden Tag – seit 2014 in den Ostgebieten und seit 16 Monaten im gesamten Land. Sie müssen in Luftschutzkeller flüchten, haben Todesängste, sehen kaputte Häuser, eventuell sogar Tote. „Es ist extrem traumatisierend, wenn Kinder in beschossenen Kriegsgebieten leben und erfahren, dass Angehörige durch den Krieg umkommen, oder sie Zeugen von blutigen Ereignissen werden“, sagt Sabine Schönwälder.

Die Regensburgerin ist Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie und vor einem Monat in die westukrainische Stadt Uzhgorod aufgebrochen, um dort Traumatherapeuten für Kinder und Jugendliche auszubilden. Sie arbeitet in der Ukraine nicht zum ersten Mal auf ehrenamtlicher Basis. 2013 begann die Mission bei der evangelischen Kirche St. Paul in Odessa, der Partnerstadt von Regensburg. Dort schulte Schönwälder bisher Kollegen. Doch gerade ist Odessa nicht mehr sicher – gleichzeitig herrscht laut der Ärztin im ganzen Land ein eklatanter Mangel an zertifizierten Traumatherapeuten, die speziell für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ausgebildet sind.

Bisher galt die Unterstützung immer Erwachsenen – zum ersten Mal geht es um Kinder mit posttraumatischen Belastungsstörung. „Der Bedarf ist immens“, sagt Schönwälder. Kinder könnten zwar relativ viele schlimme Ereignisse aushalten, wenn die Eltern an ihrer Seite bleiben. „Aber das ist ja momentan nicht gegeben, weil diese selbst traumatisiert sind.“

Schönwälder sieht Traumatherapie als Form der Friedensarbeit. Kinder – die nächste Generation – zu behandeln sei besonders wichtig. „Wenn Traumatisierte im Opferstatus bleiben – und traumatisierte Menschen sind immer im Opferstatus –, werden sie zu Tätern, wenn sie mächtig werden“, sagt sie. Diesen Teufelskreis soll die Therapie durchbrechen. Für das Projekt „Kindercurriculum“ haben sich 24 ukrainische Therapeuten angemeldet. Es wird zum Beispiel von der Diakonie Bayern und der Stadt Regensburg finanziert. GABRIELE INGENTHRON

Artikel 11 von 11