Goldraub: Festnahmen in Norddeutschland

von Redaktion

VON ULF VOGLER UND JOHANNES WELTE

Manching – Es war ein schwerer Schlag für das historische Erbe Bayerns. Vor einem Dreivierteljahr brachen Unbekannte nachts in das Kelten Römer Museum in Manching bei Ingolstadt ein und stahlen das Prunkstück des Hauses – den etwa 2100 Jahre alten keltischen Goldschatz. Monatelang konnte die deswegen gegründete Sonderkommission des Bayerischen Landeskriminalamtes (LKA) nichts vermelden, nun sind die Ermittler ein großes Stück weiter.

Wie sie gestern berichteten, konnten vier Verdächtige festgenommen werden. Im Großraum Schwerin habe es am Dienstag Festnahmen und Durchsuchungen gegeben. Der Haupttäter soll demnach ein 50 Jahre alter Deutscher sein, die anderen Männer sind 46, 43 und 42 Jahre alt. Überführt wurden sie durch DNA-Spuren. Bei den Ermittlungen soll ein Teil des Schatzes sichergestellt worden sein. Allerdings sickerte gestern durch, dass zumindest ein Teil des Goldes eingeschmolzen worden sein soll. Heute wollen die Fahnder und Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) weitere Infos bekannt geben. „Das ist ein herausragender Ermittlungserfolg“, sagte Herrmann bereits gestern. Die Ermittler von Polizei und Staatsanwaltschaft hätten auch länderübergreifend eine hervorragende Arbeit geleistet. „Damit ist es gelungen, Profi-Einbrecher festzunehmen.“

Die gestohlenen 483 Münzen waren der größte keltische Goldfund, der im vergangenen Jahrhundert aufgetaucht ist. Ein Grabungsteam hatte das Gold 1999 bei Manching gefunden, sieben Jahre später wurde das Museum mit dem herausragenden archäologischen Fund im Mittelpunkt eröffnet. Der reine Goldwert der Münzen war zwar nicht so groß, aber der Sammlerwert der Münzen ging in die Millionen.

In der einstigen Keltenstadt im nördlichen Oberbayern, dem sogenannten Oppidum, werden immer wieder bedeutende Funde gemacht. Das Landesamt für Denkmalpflege zählt die Siedlung zu den bedeutendsten Bodendenkmälern nördlich der Alpen. Entsprechend zieht der Ort auch immer wieder Kriminelle an. Erst wenige Monate vor dem Einbruch hatten Raubgräber am Ort einer wissenschaftlichen Grabung weit mehr als 140 Löcher gegraben und möglicherweise eine unbekannte Zahl von Fundstücken mitgenommen.

Kunstminister Markus Blume (CSU) sprach nach dem Einbruch von „einer Katastrophe“. Er betonte, dass die Festnahme ein wichtiger Schritt bei der Suche nach den Kelten-Münzen sei. „Es wird mit Hochdruck daran gearbeitet, den Verbleib des Schatzes zu ermitteln.“ Museumsleiter Tobias Esch machte schon einmal klar, dass er möglichst die Originale wieder in seinem Haus zeigen möchte. Von einer Präsentation von Repliken an Stelle der echten Münzen halte er nichts. „Das Original hat eine Aura“, sagte er.

Die Tat offenbarte auch, dass der kostbare Schatz nur unzureichend gesichert war. Die Einbrecher waren am frühen Morgen des 22. November 2022 zwar höchst professionell vorgegangen, aber mit einer besseren Sicherheitstechnik hätten sie vielleicht geschnappt werden können. Denn die Täter hatten zunächst in einer Telefonzentrale in der Nähe die Leitungen gekappt, um die Alarmanlage des Museums auszuschalten. Dann erfolgte der Einbruch, binnen weniger Minuten war die Goldvitrine leer geräumt.

Weil sie durch die Fehlermeldung wegen der zerstörten Leitungen Geldautomatensprengungen befürchtete, schickte die Polizei Streifen zu den Banken in der Region. Aber der Sicherheitsdienst, der das Museum schützen sollte, blieb aus bis heute nicht bekannten Gründen untätig. Der Einbruch wurde erst Stunden später am Vormittag bemerkt.

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