Profi-Bergsteiger stürzt in den Tod

von Redaktion

VON TANJA BRINKMANN

Garmisch-Partenkirchen – Die Route wagt nicht jeder, sie ist eine besondere Herausforderung. Ein 28-Jähriger aus dem Oberallgäu wollte sich ihr stellen. Sein Ziel: der Grat, der im Wettersteingebirge die Grenze nach Tirol markiert und über den Schneefernerkopf und über die Plattspitzen Richtung Gatterl führt. Eine äußerst anspruchsvolle Tour.

Der junge Mann war Profibergsteiger. Er war laut Polizei bereits am Sonntag aufgebrochen. Als er sich nicht, wie vereinbart, bei einem Freund meldete, setzte dieser am Montag gegen 10 Uhr einen Notruf ab. Die Suche gestaltete sich durchaus schwierig. Vor allem das Wetter machte dem Piloten des Polizeihubschraubers zu schaffen. Zudem war es in dem felsigen, teils zerklüfteten Gelände nicht einfach, den Vermissten auszumachen. Um 15.45 Uhr hatten ihn die Einsatzkräfte schließlich entdeckt – abgestürzt zwischen den Wetterspitzen und dem Wetterwandeck, im Bereich der Sessellift-Bergstation.

Angesichts der aufziehenden Wolken konnte der Helikopter nicht landen. Deshalb machten sich drei Einsatzkräfte der Bergwacht Garmisch-Partenkirchen zu Fuß auf zur Unglücksstelle. Vor Ort konnte die Bergwacht-Ärztin nur noch den Tod des 28-Jährigen feststellen.

„Nach erster Einschätzung ist er circa 150 Höhenmeter vom Grat abgestürzt und erlitt hierbei tödliche Verletzungen“, erklärt Polizeihauptkommissar Andreas Breitrück. Die Ermittlungen zur genauen Unfallursache hat nun die Alpine Einsatzgruppe des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd übernommen – unter der Leitung der Staatsanwaltschaft München II. Die Leiche des Mannes musste die Nacht über noch am Berg bleiben. Die heftigen Unwetter machten eine Bergung unmöglich. Der Polizeihubschrauber konnte daher erst gestern Nachmittag starten und den Toten ins Tal bringen.

Noch steht nicht fest, wie es zu dem Unglück gekommen ist. Klar ist, dass der Mann sich eine sehr anspruchsvolle Route mit schwierigen Kletterpassagen, einem Experten zufolge im dritten bis vierten Schwierigkeitsgrad, vorgenommen hatte. „Das ist keine ausgewiesene Tour“, heißt es von einem Ortskenner. Der Oberallgäuer, der häufig mit anderen Profis Touren unternahm und zudem Seminare gab, war jedenfalls sicher einer, der sich entsprechend vorbereitet hatte und ausgerüstet war. „Wir gehen von einem tragischen Bergunfall aus“, heißt es von der Polizei. Um die Angehörigen kümmerte sich der Kriseninterventionsdienst der Bergwacht.

Es ist bereits der vierte tödliche Unfall im Zugspitzgebiet in diesem Jahr. Im Januar verlor ein 28-jähriger Münchner bei einer Überschreitung des Jubiläumsgrats den Halt und stürzte 350 Meter hinab ins Höllental. Mitte Juni wurde ein 61-Jähriger aus dem Landkreis Pfaffenhofen auf dem Höllental-Klettersteig kurz unterhalb des Gipfels von einem Schneerutsch erfasst und mitgerissen. Der Mann kam 400 Meter tiefer auf dem Gletscher tödlich verletzt zum Liegen. Und Anfang Juli erst stürzte ein 65-jähriger Wanderer aus Rheinland-Pfalz, der auf dem Stangensteig oberhalb der Höllentalklamm unterwegs war, 150 Meter in die Tiefe.

Die Bayrische Zugspitzbahn unterstützt bei solchen Unglücken die Bergretter nach Kräften. Im Fall des Oberallgäuers gelangten die Einsatzkräfte mit der Seilbahn Zugspitze auf knapp 3000 Meter Höhe und mit der Gletscherbahn aufs Platt. „Von dort hat sie ein Kollege mit einem Geländefahrzeug so weit wie möglich Richtung Wetterwandeck gebracht“, sagt Verena Tanzer, Sprecherin des Bergbahn-Unternehmens. Der Lift hätte nicht in Betrieb genommen werden können, da aktuell Bauarbeiten an einer Stütze laufen.

Der Verunglückte war ein Profi und gut vorbereitet

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