Manching/Schwerin – Einer der spektakulärsten Einbrüche der Nachkriegsgeschichte Bayerns ist aufgeklärt. Die mutmaßlichen Goldräuber von Manching sind gefasst. Gestern erläuterten Landeskriminalamt und Staatsanwaltschaft, wie sie der Bande auf die Schliche kamen. Doch der Jahrtausende alte Schatz ist teilweise eingeschmolzen – oder weiter verschollen.
Am 22. November 2022 hatten Unbekannte bei einem Einbruch in das Kelten und Römer Museum in Manching bei Ingolstadt 483 keltische Goldmünzen und einen Klumpen Rohgold gestohlen – über 2100 Jahre alt, 3,7 Kilo schwer. Die Täter hatten zuvor in einem Schaltraum in Manching das Telefonnetz lahmgelegt. Die Alarmanlage war damit ausgeschaltet, die Videoüberwachung zeichnete nichts auf, der Fall schien hoffnungslos. Doch der Soko „Oppidum“ des Landeskriminalamtes gelang es, den Fall aufzuklären.
Dienstagnachmittag in Schwerin: Drei Zivilfahrzeuge der Polizei keilen auf der Straße ein Auto ein und bringen es zum Stehen. Ein mit Maschinenpistolen bewaffnetes, vermummtes Sonderkommando der Polizei nimmt den verdutzten 43-jährigen Berliner Maximilian S. fest, der keinerlei Widerstand leistet: Er hatte sich, so der Stand der Ermittlungen, gerade im Schweriner Vorort Plate mit Robert K. (46) getroffen und diesem dort seinen Anteil vom Goldraub übergeben: 18 unförmige Goldklumpen, insgesamt etwa ein Pfund schwer. Kaum dass die Polizei in Schwerin den Berliner S. festgenommen hat, wird auch der Bauernhof von Robert K. gestürmt. Dort findet die Polizei die Goldklumpen, von der Legierung her die Münzen aus Manching – aber eingeschmolzen. Auch in Halle in Westfalen und in Schwerin selbst werden zwei Männer gefasst: Der 42-jährige Alexander K. und der 50-jährige Jörn M. Alle Festgenommenen sind deutsche Staatsangehörige, von Beruf Fernmeldetechniker, Supermarktleiter, Abbrucharbeiter und Buchhalter. Es ergeht Haftbefehl wegen gemeinschaftlichen Raubes.
Die Fahnder kamen dem Quartett durch DNA-Treffer auf die Spur. Sie hatten nach der Tat in einem Weiher bei Manching Stemmeisen und anderes Werkzeug entdeckt. Ein Abgleich ergab Treffer, die zu ähnlichen Einbrüchen in Deutschland und Österreich führten. Einbrüche in Verbrauchermärkte, ein Casino, eine Tankstelle und einen Geldautomaten, die seit 2014 begangen wurden. In Bad Aibling im Kreis Rosenheim wurde 2015 in die Kfz-Zulassungsstelle eingebrochen, hier wurden Blankoformulare für Führerscheine gestohlen. Gesamtbeute: 550 000 Euro. Das gemeinsame Merkmal: Überall wurden Alarmanlagen außer Gefecht gesetzt.
Ausgerüstet waren die Einbrecher mit schwarzen Overalls, Sturmhauben, Gasmasken und immer mit baugleichen blauen Brecheisen, Schraubenziehern und Winkelschleifern. Die Soko fahndete nach Käufern dieser Gegenstände im Internet und kam so den Tätern auf die Spur. Bei einer Telefonüberwachung stellte sich heraus, dass die Bande gerade dabei war, weitere Museen für die nächsten Raubzüge auszukundschaften.
Die Arbeit der Polizei ist aber noch nicht zu Ende: Es fehlen noch über drei Kilo Keltengold. Es sei „leider“ davon auszugehen, „dass der Keltenschatz von Manching in seiner ursprünglichen Form zumindest nicht mehr in Gänze erhalten ist“, so Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Damit dürften mindestens 70 Münzen des insgesamt 483 Goldstücke umfassenden Schatzes „unwiederbringlich“ verloren seien, sagte Wissenschaftsminister Markus Blume (CSU). Ob die noch nicht gefundenen Münzen unversehrt sind , ist nicht bekannt, die Verdächtigen schweigen. Die Polizei sucht nun den Bauernhof mitsamt den angrenzenden Feldern mit Metallsonden ab. „Möglicherweise haben sie den Rest des Schatzes vergraben“, sagt ein Fahnder. JOHANNES WELTE