Irschenberg – Christian Waldschütz kennt die Ferienpläne der ganzen Republik – und die ihrer Nachbarländer. Reisezeit heißt auch Pannenzeit – und dann rückt sein Abschleppdienst zur Hilfe an. Sein Revier: der Irschenberg, eine steile Kuppel auf der A8 im Kreis Miesbach – quasi die erste bergig anmutende Erhebung für alle, die über die Alpen gen Adria fahren wollen. „Die Hauptreisezeit läuft schon seit drei, vier Wochen“, sagt Waldschütz. „Holland, Dänemark, Frankreich und der Rest von Deutschland sind schon unterwegs, ab diesem Wochenende rücken die Bayern und Baden-Württemberger aus.“
Der ADAC warnt deshalb wieder vor der Sommerreisewelle – vor vollen Zügen, Fliegern und auf den Straßen vor einem der staureichsten Wochenenden der Saison. In Bayern gibt es nur wenige Autobahnen, die der ADAC nicht auf seiner Liste besonders betroffener Strecken führt. Auf A3, A6, A7, A8 und A9 sowie auf der A93 ab dem Inntaldreieck, der A95 Richtung Garmisch-Partenkirchen und der A99 rund um München brauchen Autofahrer am ersten Ferienwochenende Geduld. Auch die Tauern-, Fernpass-, Brenner- und Gotthard-Route kosten Nerven.
Während der Süden Deutschlands gerade erst aufbricht, fahren andere Urlauber schon wieder zurück. Die Irschenberger Pannen-Helfer sind also gerade im Dauereinsatz auf dem Autobahnabschnitt zwischen Holzkirchen und Bad Aibling – in beiden Fahrtrichtungen. „An Wochenenden sind wir zu fünft oder zu sechst unterwegs“, erklärt Waldschütz. Je mehr Pannen und Unfälle passieren, desto mehr Einsätze muss der Abschlepp-Chef koordinieren. „Dann muss man vielleicht auch mal bisserl länger warten: Derjenige, der mit seinem kaputten Auto daheim festsitzt, tut sich da etwas leichter als die Familie mit zwei Kindern und Hund auf dem Standstreifen auf der Autobahn.“
Denn eines ist klar: Dort können bei 32 Grad auch mal die Emotionen hochkochen. Tränen und Verzweiflung erleben die Retter in der Not genauso wie Dankbarkeit und pure Freude. „Ich verstehe ja jeden, der nach dem dritten Stau und einer Panne nicht mehr so entspannt ist“, sagt Waldschütz. „Wir als Dienstleister müssen da einfach gelassen bleiben und Helfen ist ein schönes Gefühl.“
Seinen Beruf würde der 53-Jährige nie aufgeben. Mit seinem Bruder Matthias, der die Kfz-Werkstatt leitet, führt Christian Waldschütz den Familienbetrieb in der dritten Generation. Und es gibt Momente, die ihm besonders viel Freude machen: „Vor ein paar Wochen konnten wir den liegen gebliebenen Wohnwagen eines Paares provisorisch reparieren und sie weiter gen Urlaub fahren lassen“, erzählt er. „Mit einer Postkarte haben sie sich hinterher bedankt.“
Den Höhepunkt der Reisewelle erwartet der ADAC Südbayern am Samstagvormittag. Aber auch am Freitag- und Sonntagnachmittag brauchen Autofahrer viel Geduld. „Wer dennoch an das Wochenende gebunden ist, sollte sehr früh aufbrechen oder – wenn die Fahrt nicht allzu weit geht – am späten Samstagnachmittag“, sagt ADAC-Verkehrsexperte Alexander Kreipl.
Frohnatur Christian Waldschütz will noch keine Stau- und Pannenprognose zum bayerischen Ferienbeginn wagen. Abseits des Urlaubsverkehrs spiele wegen der Ausflügler auch das Wetter eine Rolle, sagt er. Der Abschlepper vom Irschenberg fährt mit seiner Familie übrigens kommende Woche auch in den Urlaub: „Unter der Woche gehts mit dem Zug nach Hamburg – auf Stau haben wir keine Lust.“
Samstagvormittag wird Höhepunkt der Reisewelle