Präsident kommt zur Chiemsee-Show

von Redaktion

Bayern holt Steinmeier an Bord und ins Märchenschloss

Prien/München – Das Oberdeck des Bootes war sorgsam geschrubbt, die bunten Wimpel flatterten im sanften Wind, hinter dem sonnenüberfluteten Chiemsee eine grandiose Alpenkette. Auf dem Boot: die Kanzlerin, der Ministerpräsident. Was für Bilder! Was für eine Show! Fast exakt drei Jahre ist es her, dass Markus Söder und Angela Merkel im schönsten Oberbayern eine Art Versöhnungstreffen inszenierten. Noch immer erinnert sich wohl jeder Zeitungsleser zwischen Flensburg und Füssen an die prachtvollen Fotos von 2020. In Bayern ist nun eine Idee gereift: Das wiederholen wir.

So ähnlich jedenfalls. Die große Chiemsee-Show mitsamt Überfahrt und Märchenschloss, vielleicht auch mit Kutschfahrt, soll am 10. August mit leicht veränderten Beteiligten erneuert werden. Diesmal ist es statt der Kanzlerin der Bundespräsident, der in Prien am Bootssteg erwartet wird. Frank-Walter Steinmeier ist der Ehrengast für einen Festakt zu 75 Jahren Verfassungskonvent Herrenchiemsee.

Der Anlass ist historisch belegt. Im August 1948 tagte zwei Wochen lang ein 30-köpfiges Gremium aus Politikern und Juristen im Alten Schloss auf der Herreninsel im Chiemsee, um eine Verfassung für Deutschland zu entwerfen. Viele Grundlagen des Grundgesetzes wurden dort in der Abgeschiedenheit gelegt. 149 Artikel kamen vorerst heraus, manche auch noch umstritten.

Steinmeier will nun heuer die damalige Arbeit mit einem Festakt im Neuen Schloss würdigen. Gleichzeitig wird die neu konzipierte Ausstellung „Der Wille zu Freiheit und Demokratie“ im Alten Schloss eröffnet.

Wenn das Wetter mitspielt, sind ähnlich prachtvolle Bilder wie 2020 sicher. Die 120 000 Euro aus der Staatskasse für das damalige Event stießen nur auf geringen Protest einzelner Oppositionspolitiker. Wobei sich Söder die Bühne als hochherrschaftlicher Gastgeber mit Landtagspräsidentin Ilse Aigner (ebenfalls CSU) teilt. Dem regionalen Tourismus werden die erneut bundesweiten Schlagzeilen und Fotos gewiss nicht schaden, der wahlkämpfenden CSU vielleicht auch nicht. C. DEUTSCHLÄNDER

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