Schäftlarn/München – Der Schweinsbraten im Klosterbräustüberl Schäftlarn im Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen kostet gerade 13,90 Euro. Das ist ein verhältnismäßig günstiger Preis, über den sich Wirtin Katrin Krauß dennoch immer wieder den Kopf zerbricht. Zu teuer für die Gäste? Aber bleibt auch genug hängen? „Es ist schwierig gerade“, sagt die 47-Jährige, die das Klosterstüberl mit ihrem Mann seit 20 Jahren betreibt.
Möglicherweise muss Katrin Krauß die Preise bald erhöhen. Zum Jahreswechsel soll die reduzierte Mehrwertsteuer von 7 Prozent in der Gastronomie wieder auf die ursprünglichen 19 Prozent angehoben werden – dann bleibt der Wirtin nichts anderes übrig. Die Mehrwertsteuer war während der Pandemie verringert worden. Angesichts einer drohenden Energiekrise wurde die Regelung bis Ende 2023 verlängert. Einen Antrag der Unionsfraktion für eine weitere Verlängerung lehnten SPD, Grüne und FDP im Juni wegen der angespannten Haushaltslage ab. Aber auch bei vielen Wirten sind die Preise auf Kante genäht. Durch deutlich und innerhalb kurzer Zeit gestiegene Kosten für Energie, Lebensmittel und Personal.
12 Prozent mehr Mehrwertsteuer – das würde vielen Wirten den Garaus machen, befürchtet der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga Bayern. Auf Basis einer aktuellen Umfrage unter seinen Mitgliedern erwartet der Verband den Wegfall von mehr als 2000 Betrieben. Von 11 000 Mitgliedern hätten mehr als 2100 geantwortet, sagte Landesgeschäftsführer Thomas Geppert. „Allein dieser hohe Rücklauf spricht für die tiefe Besorgnis der Unternehmer bei diesem Thema.“
Und diese Sorge spürt man bei den Wirten. Gregor Lemke, Vorsitzender der Münchner Innenstadtwirte und Chef im Augustiner Klosterwirt, sagt: „Wenn die Mehrwertsteuer wieder angehoben wird, wird das ein Gastronomiebeben auslösen, dagegen war Corona eine Kleinigkeit.“ Schon jetzt sparen sich Gäste, die privat auch höhere Ausgaben haben, das zweite, dritte oder vierte Bier, den Espresso oder den Schnaps. Auf der anderen Seite steigen die Kosten für die Wirte: „Ich habe keine einzige Ware, die nicht mindestens 30 Prozent teurer geworden ist“, sagt Lemke. Also muss das Essen teurer werden. „Das ist ein Spagat.“ Der Schweinsbraten, aktuell bei 15,90 Euro, wäre dann bei 17,80 Euro.
Thomas Vollmer vom Augustiner Stammhaus sagt, dass sich zum Beispiel der Preis für die Schweineschulter in einem Jahr verdoppelt habe. Schon jetzt muss er mit Gästen über Preise diskutieren. Kommt die hohe Mehrwertsteuer zurück, „dann tut das unseren Kunden weh“. Er warnt vor den Auswirkungen auf den Tourismus.
Jakob Portenlänger ist einer der jungen Wirte im Dehoga, der 33-Jährige hat vor einem Jahr den Alten Wirt in Grünwald im Landkreis München von seinem Vater übernommen. Schon seit 17 Jahren bietet die Familie nur Bio-Qualität an. Ein Wiener Schnitzel kostet aktuell 31 Euro. Mit 19 Prozent Mehrwertsteuer 34,70 Euro. Das ist eine Hausnummer. „Wir haben bei uns noch das Glück, in einer Blase zu leben“, sagt Portenlänger. Doch auch im wohlhabenden Grünwald sparen sich Stammgäste den einen oder anderen Wirtshausbesuch. Portenlänger will trotzdem auf Biokurs bleiben – er hofft aber auch, dass die Mehrwertsteuer bei 7 Prozent bleibt.
Olaf Scholz hat das übrigens 2021 versprochen: „Das schaffen wir nie wieder ab“, sagte der Kanzlerkandidat damals in der ARD-Wahlarena. Daran denken die Wirte in Bayern gerade ziemlich oft.
CARINA ZIMNIOK