Mann schweigt nach Tod seiner hilflosen Freundin

von Redaktion

Prozessauftakt: Garmisch-Partenkirchner soll Partnerin nach Sturz tagelang liegen gelassen haben

Garmisch-Partenkirchen – Nach einem Sturz soll ein 50-jähriger Mann seine Partnerin vergangenen Juli hilflos in der Wohnung liegen haben lassen – fünf Tage lang, bis die Mutter zweier Kinder starb. Der Mann, ein US-Amerikaner und wohl Alkoholiker, steht seit gestern vor dem Landgericht München II.

Laut Anklage soll das Paar im Juli 2022 gestritten haben. Als die Frau betrunken im Schlafzimmer stürzte, wählte ihr Partner nicht den Notruf. Er telefonierte stattdessen mit seiner Mutter und später mit seinem Bruder in den USA. Beide forderten ihn auf, den Rettungsdienst zu rufen. In den folgenden fünf Tagen kam es immer wieder zu Gesprächen, bis der Bruder ihm sagte, die Polizei sei unterwegs. Als die zur Wohnung in Garmisch-Partenkirchen anrückte, ließ der Angeklagte die zwei gemeinsamen Söhne mit der Leiche zurück. Nach seiner Verhaftung leben die Kinder bei seinem Bruder.

Der Angeklagte hat die Aussage verweigert, aber umfangreiche Angaben zu seiner Person gemacht. Er leide an einer bipolaren Störung. Sein Bruder schilderte als Zeuge, dass die Krankheit ihn immer wieder in schwere Krisen gestürzt habe. Durch Alkohol, so der Angeklagte, hätten sich die Ausprägungen seiner Krankheit verschlimmert. Derzeit lebt er in einer psychiatrischen Klinik.

Die Anklage lautet auf versuchten Totschlag durch Unterlassen. Die Staatsanwaltschaft schließt nicht aus, dass das Opfer kurz nach dem Sturz starb und Rettungsversuche ohne Erfolg geblieben wären. Durch seine Untätigkeit habe der Partner aber bewusst ihren Tod in Kauf genommen. TOM SUNDERMANN

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