Ismaning – Jeden Morgen das gleiche Ritual: Bevor Nicole in den Tag startet, bringt sie der Mama erst mal ihren Kaffee und macht Frühstück. Und das wird auch am kommenden Donnerstag so sein, wenn Grit Boettcher ihren 85. Geburtstag feiert. Tochter Nicole Belster-Boettcher gratuliert ihrer geliebten Mama schon jetzt im Münchner Merkur: „Du bist mein Herzensmensch und mein Sonnenschein! Ich wünsche Dir alles alles Gute, vor allem natürlich Gesundheit – und ein langes Leben. Wir wollen dich noch ganz lange um uns haben.“
Nicole genießt es, mit ihrer Mama unter einem Dach zu wohnen. Grit wohnt in dem Haus in Ismaning (Kreis München) im Erdgeschoss, um weniger Treppen steigen zu müssen, Nicole unterm Dach, mit ihrer jüngsten Tochter Thalia. Und auch Tristan, der Sohn von Grit, ist wieder dort eingezogen. Früher sagte man dazu Großfamilie, heute nennt man es Mehrgenerationen-Haus. Sie alle werden am Donnerstag mit der Schauspiel-Legende feiern – die Kinder, die Freunde, die Nachbarn. Und sogar Grits Urenkelin. „Bei gutem Essen und hoffentlich mit Sonnenschein“, sagte Grit Boettcher kürzlich.
Ein bescheidener Wunsch für eine große Schauspielerin, die mit ihrem Können und ihrem ansteckenden Lachen jahrzehntelang ein Millionenpublikum verzauberte. Vor knapp fünf Jahren war dann Schluss. Mit 80 wollte Boettcher nicht mehr auf die Bühne und auch nicht mehr vor die Fernsehkameras: „Ich vermisse die Arbeit nicht. Ich bin froh, keine Verpflichtungen mehr zu haben, aber ich bin auch dankbar für die Möglichkeiten, die ich hatte – für mein Publikum und meine Kollegen.“ Unvergessen: Boettcher mit Harald Juhnke in der Sketch-Serie „Ein verrücktes Paar“ (von 1977 bis 1980). Mit ihm schlüpfte sie in die verrücktesten Kostüme und lotete alles aus, was zwischen Frau und Mann so schiefgehen kann. Ab da war Grit Boettcher aus dem deutschen Fernsehen nicht mehr wegzudenken, sie gehörte praktisch zum Stammpersonal. Sie schipperte mit dem Traumschiff in ferne Länder, war in der Schwarzwaldklinik zu Gast, spielte bei „Ich heirate eine Familie“ mit, war der Star der Serie „Wartesaal zum kleinen Glück“ und brachte Zuschauer in den Edgar-Wallace-Filmen an der Seite von Joachim Blacky Fuchsberger zum Gruseln.
Die gebürtige Berlinerin ist ein Allround-Talent – nicht nur, dass sie herrlich auf Berlinerisch, auf Bairisch, Kölsch, Schweizerdeutsch und Sächsisch schimpfen kann, sie genoss in jungen Jahren auch eine Ballettausbildung. Ihr Lebensrezept? „Das Heute zählt. Ich schaue nicht in die Vergangenheit und denke nicht an die Zukunft.“ Diese Lebenseinstellung habe sie sich bewahrt.
Was ihr heute noch ein Lächeln ins Gesicht zaubert? „Vor allem Tiere und ein guter Witz, Sketch oder Gag, vor allem, wenn er mal danebengeht.“ Und wenn sie mal wieder ihre Koffer packen darf, um nach Mallorca zu reisen. Die Insel ist ihr Sehnsuchtsort: „Ich verbinde mit Mallorca eine gute Zeit mit vielen schönen Erinnerungen.“ Noch heute bereut sie es, sich dort kein Haus gekauft zu haben: „Schade. Heutzutage ist es ja kaum noch bezahlbar.“
Unbezahlbar ist auch die Liebe ihrer Familie. Die hat sich in den letzten Wochen noch einmal vergrößert: „Wir haben aus dem Tierheim einen kleinen braunen Chihuahua-Mischling geholt“, so Nicole Belster-Boettcher. „Zusammen gehen wir jetzt immer Gassi an der Isar.“ mz/dpa