Markt Frontenhausen – Nach Rita Falks Empörung über die Verfilmung ihres Krimis Rehragout-Rendezvous schlagen die Wogen hoch. Hier lesen Sie die neusten Entwicklungen im Krimi-Eklat. Wir hörten uns zudem im fiktiven Filmort Niederkaltenkirchen um, der in Wahrheit Markt Frontenhausen heißt und im Landkreis Dingolfing-Landau liegt.
Bisher hat die gebürtige Oberammergauerin Rita Falk (59) über sieben Millionen Bücher um ihren Kult-Ermittler Franz Eberhofer verkauft. Elf Fälle sind erschienen, neun wurden verfilmt. Doch nun hat es gekracht zwischen der Autorin und dem Filmverleih Constantin. Jetzt erinnert Rehragout-Rendezvous (seit Donnerstag in unseren Kinos) eher an einen Dampfnudel-Blues: Falk brodelte, nachdem sie den Film gesehen hatte. Dem „Spiegel“ erzählte sie, dass das Drehbuch „unglaublich platt, stellenweise sogar ordinär“ sei. Den Blues hatte sie auch: „Ich bin echt traurig und habe in den letzten Tagen viele Tränen deswegen vergossen.“
Weiteren Verfilmungen ihrer Bücher – Steckerlfischfiasko erscheint am 18. Oktober im Buchhandel – sehe sie „sehr skeptisch“ gegenüber. Am Freitag war man von beiden Seiten aus um Schadensbegrenzung bemüht – man wird sehen, ob Constantin auch für Steckerlfischfiasko den Zuschlag bekommen wird.
Darf der Filmverleih in die Buchvorlage so reingrätschen? Medien-Anwältin Renate Schmid sagt, es sei üblich in der Filmbranche, dass sich der Produzent nicht vom Buchautor reinreden ließe. Das Urheberpersönlichkeitsrecht hingegen könne man nicht abgeben. „Hierzu gehört auch das Recht, sich gegen Entstellungen der Vorlage wehren zu dürfen.“ Doch das sei ein „schmaler Grat“. Und jetzt Stimmen vor Ort:
Der Bürgermeister
Dr. Franz Gassner (CSU) sagt: „Ich bin mir bewusst, dass im Film Klamauk dabei ist, den es so im Buch nicht gibt. Aber das ist in den Filmen auch schon früher so gewesen.“ Er hofft, dass es ein Happy End gibt, Rita Falk weiterschreibt und die Krimis verfilmt werden. „Bis 2018 waren wir ein unbedeutender Marktfleck in Niederbayern – doch spätestens seit wir damals im August den Kreisel im Markt Frontenhausen mit den beiden Hauptfiguren aufgestellt haben, ist der Boom riesig. Wir haben Auto-Kennzeichen aus Norddeutschland, aus der Schweiz, von überall- her.“ Wer in der Region urlaube, der käme hier vorbei. „Den Hype konnte niemand ahnen. Das ist wie ein Sechser im Lotto, so etwas kann man sich gar nicht kaufen.“
Die Angestellte in der Metzgerei
Lisa Lechner von der Metzgerei Stadler im Markt Frontenhausen hat einige Bücher gelesen und alle Filme gesehen. „Ich habe irgendwann zum Lesen aufgehört, weil es eh immer dasselbe ist. Bei den Filmen ist das zwar ähnlich, aber da kann man das Hirn ausschalten. Das ist entspannter.“ Für die Hiesigen seien die Verfilmungen natürlich Kult, denn: „Für uns ist es schön, weil wir die Region und das Dorf kennen und wiedererkennen.“
Der Bäckermeister
Michael Schleich freut sich natürlich ebenfalls über den unglaublichen Aufschwung in seiner Heimatgemeinde – aber er kann auch Rita Falk verstehen. „Dass die Filme mehr und mehr von den Büchern abweichen und immer sensationslüsterner werden, ist richtig. Doch der Erfolg gibt Constantin Recht, die Filme sind ein richtiger Selbstläufer geworden.“ Er ist sich sicher, dass Rehragout-Rendezvous einen neuen Rekord aufstellen wird. Seine Kundschaft nimmt zu, und: „80 Prozent meiner Sonntags-Gäste sind Kreisel-Touristen – also Kunden von Franz Eberhofer“, lacht der Bäcker.
MATTHIAS BIEBER