„Das Problem mit den Blasen habe ich im Griff“

von Redaktion

INTERVIEW Prinz Ludwig lädt zum Löwenmarsch, den es bald auch fernab von Bayern geben soll

Kaltenberg – Prinz Ludwig (41) bittet am Samstag zum fünften Mal zum Löwenmarsch. Von Schloss Kaltenberg geht’s zu Fuß in 24 Stunden bis zum Schloss Hohenschwangau. Geschwitzt wird auf den 100 Kilometern für den guten Zweck – für die „Learning Lions“, das Hilfsprojekt des Prinzen in Kenia. Im Interview verrät er sein Geheimrezept gegen Blasen – und seine neuesten Ideen, um Spenden für junge Menschen in Afrika zu sammeln.

Wie haben Sie sich für den diesjährigen Löwenmarsch vorbereitet?

Man sollte sich ja definitiv vorbereiten! (lacht) Aber auch dieses Jahr habe ich das mal wieder nicht getan. Ich wiege mich in falscher Sicherheit, weil ich die Strecke bisher trotzdem immer geschafft habe. Nur vergangenes Wochenende bin ich 40 Kilometer gelaufen, in der Woche vor dem Marsch sollte man ja ruhen.

Wenn Ihnen mangelnde Kondition nicht zu schaffen macht – was dann?

Das Problem mit Blasen habe ich nach vier Löwenmärschen im Griff. Häufiges Sockenwechseln hilft mir. Durch die Dauerbelastung sind besonders auch die Zehennägel gefährdet, daher trage ich jetzt Schuhe, in denen ich vorne viel Platz habe. Jetzt muss ich nur noch darauf achten, mir Trinken und Brotzeit gut einzuteilen, also nicht zu viel zu essen, aber eben so viel, dass genug Energie da ist.

Wie viele Teilnehmer haben sich angemeldet?

Wir haben 1000 Anmeldungen und stoßen damit an die Kapazitätsgrenze. Auf dem Weg haben alle viel Platz. Aber unser Ziel, der Garten in Hohenschwangau, wäre für mehr Teilnehmer zu klein.

Könnten Sie sich da nicht vorstellen, mehr Märsche zu organisieren?

In Bayern wird es immer nur den einen Löwenmarsch geben. Aber es gibt Überlegungen, das Format international auszurollen, zum Beispiel in Belgien oder in den USA. Ein Probemarsch in Berlin hat schon stattgefunden.

Läuft Ihre Frau Sophie-Alexandra Prinzessin von Bayern heuer mit?

Sie wird im Organisationsteam gebraucht, hat sich aber auch für eine Teilstrecke von 25 Kilometern angemeldet. Am Anfang wollen wir auf jeden Fall gemeinsam starten. Später werden wir versuchen, uns auf dem Marsch überhaupt noch mal zu finden.

Die Teilnehmer sammeln mit jedem Kilometer Spenden. Wie wird der Erlös dieses Jahr verwendet?

In der Turkanawüste in Kenia sind wir noch lange nicht am Ziel. „Learning Lions“ ist ein Ausbildungsprogramm für junge Erwachsene, ein zusätzlicher Schwerpunkt wird immer mehr Mädchen und junge Frauen unterstützen. Zwangsheirat ist in Kenia verboten, aber in dieser Gegend, die weit von der Hauptstadt Nairobi entfernt ist, Alltag. Die betroffenen Frauen sind zwischen 12 und 14 Jahre alt, wir kennen aber auch den Fall einer Neunjährigen.

Wie helfen Sie vor Ort?

Wir versuchen, Väter und Stämme davon zu überzeugen, dass ihre Töchter zur Schule gehen müssen, um danach selbst ihren Lebensunterhalt verdienen zu können. Der Hilfsverein Nymphenburg baut in der Region Mädchenschulen. Auf dem Campus der „Learning Lions“ können die Frauen arbeiten. Dort gibt es auch eine Kita, da vor Ort mit 20 Jahren nahezu alle Frauen schon Mütter sind.

Wie arbeiten die jungen Leute auf dem Campus?

Die Jugendarbeitslosigkeit in der Region ist hoch. Bei den „Learning Lions“ können sie digital Karriere machen. Wir lernen ihnen in Kompaktkursen, wie man sich per Smartphone weiterbilden, über Programme Webseiten, Grafiken und Filme erstellen und an Firmen weltweit verkaufen kann. Ein Smartphone besitzt fast jeder, es entspricht in etwa dem Wert einer Ziege. Zudem kann man bei uns eine IT-Ausbildung zum Webdesigner oder Programmierer machen.

Nicht nur der Löwenmarsch, auch ein Film soll Spenden akquirieren…

Mit einer Produktionsfirma aus Ingolstadt und einer kenianischen Drehbuchautorin haben wir einen Film gedreht. Er soll in der ersten Jahreshälfte 2024 international in den Kinos laufen. Es geht um ein 14-jähriges Mädchen, das zwangsverheiratet wird. Die Hauptrolle spielt ein Mädchen, das eine unserer Schulen in Kenia besucht. Wir glauben, dass wir durch diese authentische Geschichte nicht nur Spendengelder sammeln, sondern auch kenianischen Familien klarmachen können, wie wichtig unser Projekt für die Zukunft ihrer Töchter ist.

Interview: Cornelia Schramm

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