Fischer-Frust am Bodensee

von Redaktion

Ab Januar gilt ein dreijähriges Felchen-Fangverbot

Überlingen – Fischerin Anita Koops hat viel Optimismus verloren. Der Fang des Tages lässt auch wenig hoffen. Mit zehn Netzen haben sie und ihr Partner lediglich elf Felchen aus dem Bodensee gezogen. Akkurat liegen die silbernen Fische nebeneinandergereiht in der Kiste. Viel Arbeit für wenig Ertrag, berichtet die 56-Jährige. Mit den ersten Sonnenstrahlen zieht es die beiden Fischer in ihren Booten von Überlingen aus auf den See. Es ist einer der letzten Trips, bei dem der Felchenfang für die Berufsfischer noch erlaubt ist. Am 15. Oktober beginnt am Bodensee die Schonzeit für die Tiere. In diesem Jahr steht dann nur noch der Laichfischfang für die Brutanstalten an und eine kleine Weihnachtsfischerei – theoretisch. Ob es wirklich dazu kommen wird, wissen weder die Fischer noch die Fischereiforscher.

Dem Bodensee gehen seit Jahren die Felchen aus. Der auch bei Touristen beliebte Speisefisch lebt in dem See unter schwierigen Bedingungen. Zum einen machen den Felchen invasive Arten wie der Stichling das Leben schwer, weil sie mit dem stacheligen Fisch um das Futter konkurrieren. Zum anderen heizt der Klimawandel den Bodensee immer weiter auf und trennt damit die kälteliebenden Felchen weiter von ihrem Hauptnahrungsmittel, dem Plankton. Ein fischfressender Vogel namens Kormoran tut noch sein Übriges.

Wie es den Felchen geht, lässt sich an den Fangzahlen der Berufsfischer ablesen. Die sind dramatisch eingebrochen. Nur noch 21 Tonnen des beliebten Bodensee-Fisches gingen den Fischern 2022 ins Netz – ein Einbruch um mehr als 80 Prozent.

Eine dreijährige Schonzeit soll die übrigen Fische ab 2024 schützen und ihnen helfen, sich zu erholen. So haben es die Anrainerstaaten im Juni beschlossen. Für viele der etwas mehr als 60 Berufsfischer rund um den Bodensee ist das frustrierend. „Wir stehen hier vor dem völligen Kollaps der Bodensee-Fischerei“, sagt Anita Koops, die auch für den Internationalen Bodensee-Fischereiverband spricht. „Dass wir keine Felchen mehr fangen, hat sich schon seit Jahren abgezeichnet. Aber dieses Fangverbot beinhaltet für uns natürlich noch sehr viel mehr“, sagt die erfahrene Fischerin. Es sei eine sehr harte Maßnahme. „Den Kollegen kommt es einem Berufsverbot gleich.“ Durch die Fischerei habe man auch immer sehen können, wie es den Tieren im Bodensee gehe. Das sei bald nicht mehr möglich.

Wirtschaftliche Folgen gebe es natürlich auch: „Wir müssen auf Beifänge wie Saiblinge oder Seeforellen verzichten.“ Der Bodensee dürfe nicht mehr uneingeschränkt befischt werden. „Schlechte Vorzeichen“ für ihren Berufsstand, sagt Koops. Die Bodensee-Fischerei sei eine jahrtausendealte Tradition. „Mit uns geht nicht nur ein Beruf, sondern auch ein Kulturgut verloren.“  dpa

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