Vorfreude auf den Hütten-Herbst

von Redaktion

VON KATRIN WOITSCH UND SABINE SCHWINDE

Lenggries – Wenn sich die Blätter der Bäume langsam bunt färben, beginnt Marianne Obermüllers liebste Jahreszeit. Der Herbst verzaubert sie zuverlässig jedes Jahr aufs Neue. Als Hüttenwirtin der Stie-Alm in Lenggries im Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen hat sie ihren Arbeitsplatz mitten in der Natur, die sich gerade so wunderschön in Herbst-Gold verfärbt.

Wenn Obermüller morgens auf ihre Hütte kommt, ist die Ruhe manchmal ganz überwältigend, erzählt sie. Eigentlich würde sie dann nur zu gerne erst mal ein paar Minuten dabei zusehen, wie die Natur langsam erwacht. Die Zeit hat sie aber eigentlich nie. „Ich muss direkt in die Küche.“ Die hat allerdings ein großes Fenster, durch das die Sonnenstrahlen schon frühmorgens ihren Weg finden. „Manchmal kommen auch ein paar Gämsen ganz nah“, erzählt Obermüller. Sie genießen die Ruhe in den Bergen genauso sehr wie die Hüttenwirtin. Nur mit einem Unterschied: Wenn die ersten Wanderer unterwegs sind, verziehen sich die Gämse schnell – und für Marianne Obermüller und ihr Team nimmt der Arbeitstag richtig Fahrt auf.

„Der Herbst ist unsere Hochsaison“, sagt die 41-Jährige. Das liegt unter anderem daran, dass es vielen Menschen ähnlich geht wie ihr: Sie lieben die Berge im Herbst ganz besonders. Aber nicht nur das schöne Licht und die bunten Bäume locken viele Wanderer an, sagt Obermüller. „Weil es nicht mehr so heiß ist wie im Sommer, sind mehr Menschen unterwegs. Auch viele ältere Wanderer.“

Obermüller ist Küchenmeisterin und gelernte Landwirtin. Seit knapp zehn Jahren arbeitet sie in dem Familienbetrieb auf der Stie-Alm in der Küche, vergangenes Jahr hat sie außerdem die Quenger-Alm übernommen. Auch die Köchin in ihr freut sich jedes Jahr auf den Herbst. Wegen der Lebensmittel, die dann in ihrer Küche landen: Wildfleisch, Pilze, Kürbisse. Obermüller liebt es, daraus Hütten-Mahlzeiten zu zaubern. Das wird sie noch bis 5. November für ihre Gäste tun, bevor es für sie und ihr Team bis zu den Weihnachtsferien in die Winterpause geht.

Bis es so weit ist, freuen sich wie Marianne Obermüller noch viele andere Hütten-wirte auf die Herbstsaison – und rechnen mit vielen Gästen. „Die Bedingungen sind gerade sensationell“, sagt Thomas Bucher, Sprecher des Deutschen Alpenvereins. „Die Farben sind schön, die Luft ist klar und der Herbst so strahlend wie selten.“, sagt Thomas Bucher.

Während in den höheren Lagen bereits einige Alpenverein-Hütten winterfest gemacht werden, bleiben etliche Hütten auch im Oktober noch geöffnet. Eine kleine Übersicht:

. Bayerische Voralpen:

Die Tutzinger Hütte ist voraussichtlich bis zum 31. Oktober offen. Das Brünnsteinhaus und die Tegernseer Hütte machen noch bis zum 4. November weiter. Die Albert-Link-Hütte, das Taubensteinhaus und die Schönfeldhütte beenden erst Mitte November die Saison.

. Chiemgauer Alpen:

Das Reichenhaller Haus ist bis 15. Oktober geöffnet, das Straubinger Haus noch eine Woche länger (22. Oktober). Die Hochrieshütte schließt am 5. November ihre Pforten.

. Berchtesgadener Alpen:

Im Kärlinger Haus und im Schneibsteinhaus ist die Einkehr bis 15. Oktober möglich, das Stöhrhaus schließt voraussichtlich einen Tag später (16. Oktober).

. Ammergauer Alpen:

Das August-Schuster-Haus ist noch bis zum 29. Oktober geöffnet, die Hörnlehütte schließt voraussichtlich am 7. November.

. Karwendel:

In der Mittenwalder Hütte und der Neuen Magdeburger Hütte ist die Einkehr noch bis zum 15. Oktober möglich, die Tölzer Hütte bleibt bis 28. Oktober geöffnet.

In der Venediger Gruppe sowie den Stubaier Alpen und den Zillertaler Alpen sind dagegen die meisten Hütten schon geschlossen. Auch in der Glocknergruppe sind schon viele Hütten dicht – die Stüdlhütte schließt an diesem Sonntag.

Generell rät DAV-Sprecher Thomas Bucher allen Wanderern, sich vor jeder Tour auf der Webseite des Deutschen Alpenvereins über den tagesaktuellen Stand der Schließtermine zu informieren und gegebenenfalls direkt in den Hütten anzurufen. Und er hat noch ein paar weitere Tipps: „Die Tage sind zwar wunderschön, aber auch schon sehr kurz“, sagt Bucher.

Die früh einsetzende Dunkelheit sollte man bei der Planung einer Tour ebenso berücksichtigen wie die gewaltigen Temperaturunterschiede. Entsprechende Kleidung gehört in den Rucksack, wenn man in den kalten Morgenstunden aufbricht und einem mittags die warme Herbstsonne einheizt. Die warmen Strahlen auf kaltem Untergrund führen laut Bucher auch dazu, dass die Wege an manchen Stellen durch Kondensflüssigkeit sehr rutschig werden – obwohl kein Tropfen Regen gefallen ist.

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