Schönau/Garmisch-Partenkirchen – Dramatische Szenen in der Ostwand des Watzmanns: Dort ist eine tschechische Seilschaft am Freitag verunglückt. In der sogenannten Rampe, auf knapp 1900 Höhenmetern, verstiegen sich die beiden Männer. Sie gingen zu dem Zeitpunkt am Seil gesichert, jedoch ohne Zwischensicherungen gesetzt zu haben. Gerade als sie sich wieder auf dem richtigen Weg befanden, stürzte der Vorsteiger aus bislang unbekannten Gründen ab.
Sein Begleiter legte geistesgegenwärtig das Seil noch um einen Felskopf, womit er einen kompletten Seilschaftsabsturz verhinderte. Den Vorsteiger, der mindestens 60 bis 80 Meter in steilem Felsgelände abgestürzt war, konnte er schließlich noch halten. Jedoch zog sich der Abgestürzte schwerste Kopfverletzungen zu, die tödlich waren.
Der Begleiter setzte einen Notruf ab. Im letzten Abendlicht flog der Rettungshubschrauber noch einen Bergwachtmann zur Unfallstelle. Aufgrund der Dunkelheit musste der Rettungshubschrauber jedoch bald wieder abrücken. Die Berchtesgadener Bergwacht behalf sich mit einem nachtflugtauglichen Rettungshubschrauber aus Österreich. Dessen Notarzt konnte vor Ort jedoch nur noch den Tod des 42-Jährigen feststellen. Eine Bergung des Abgestürzten in der Dunkelheit wurde aufgrund der Gefährdung aller Beteiligten nicht durchgeführt. Der Begleiter wurde noch ausgeflogen und durch das Kriseninterventionsteam der Bergwacht betreut.
Am Samstag drängte dann die Zeit: Der Tote wurde schon in den frühen Morgenstunden geborgen. Aufgrund der guten Wanderbedingungen, die derzeit in den Alpen herrschen, waren bereits viele Ostwand-Aspiranten unterwegs.
Die Watzmann-Ostwand gilt als eine der gefährlichsten Wände in den Alpen. Seit der Bergführer Johann Grill 1881 die Wand das erste Mal durchsteigen konnte, haben mehr als 110 Bergsteiger in der Ostwand ihr Leben gelassen. Viele Alpinisten unterschätzen die Länge der Ostwand, die eine Durchsteigung trotz des relativ geringen Schwierigkeitsgrades enorm anspruchsvoll macht, heißt es in Bergsteigerkreisen. Deshalb steht im oberen Teil der Wand auf einer Höhe von 2380 Metern eine Biwakschachtel: Besonders bei Wetterstürzen ist die kleine orange Biwakschachtel wichtig. Der verunglückte 42-Jährige ist der zweite Bergtote in diesem Jahr in der Ostwand. Erst vorige Woche stürzte ein ebenfalls 42-Jähriger aus Nordrhein-Westfalen in den Tod. Insgesamt sind im Einsatzgebiet der Polizei Berchtesgaden heuer sieben Menschen tödlich in den Bergen verunglückt, teilte ein Sprecher auf Anfrage mit.
Ein weiterer tödlicher Bergunfall ereignete sich bereits am Donnerstag (wir berichteten). Die Alpine Einsatztruppe des Polizeipräsidiums München ermittelt den Unfallhergang und sucht nach Zeugen. Am Freitagmittag gegen 13 Uhr hatten Wanderer unterhalb des Nordwandsteiges, am Fuße der Alpspitze, eine leblose Person im Geröllfeld entdeckt. Der Notarzt sowie zwei Einsatzkräfte der Bergwacht Garmisch-Partenkirchen konnten jedoch nur noch den Tod des 24-Jährigen aus dem Landkreis Altötting feststellen. Die Polizei bittet Zeugen des Bergunfalls sich unter Telefon 08821/917-0 zu melden. Der 24-jährige Verunglückte trug eine dunkle Softshelljacke, eine blaue Jeans und graue Turnschuhe.