Diese Tradition schmeckt uns

von Redaktion

Sonntag wird Kirchweih gefeiert: Aber nicht nur die Kirtanudeln sind begehrt

VON STEPHANIE EBNER UND MARTINA WILLIAMS

Aying – Kirchweih ist eines der höchsten kirchlichen Feste – schon seit dem frühen Mittelalter war es üblich, den Tag der Weihe der Kirche zu feiern. Diesen Sonntag (der dritte im Oktober) gibt es heute aber vor allem eines: jede Menge Schmankerl. Traditionell stehen Ganserl oder Ente und süße Kirta-Nudeln hoch im Kurs. Und für den Durst? Da hat die Privatbrauerei Aying eigens ein kupferbraunes Kirtabier gebraut. Dessen Malz-Geheimnis verrät uns Direktor Helmut Erdmann (55), und Bäckerin Walburga Waldinger (71) erklärt, worauf es bei Kirta-Nudeln ankommt.

In Aying wird seit mehr als 30 Jahren das Kirtabier hergestellt, eine Mischung aus dunklem Export- und Märzenbier. Und das hat es in sich. „Das Kirtabier ist im Gegensatz zum Hellen unfiltriert, es hat somit mehr Hefe und Eiweiß und schmeckt ursprünglicher“, sagt Helmut Erdmann. Geht’s direkt vom Lagerkeller in die Flasche oder ins Fass, sorgt das für die besondere Trübung. Wichtig: das Zweimaischverfahren. „Dabei wird ein Teil der Maische abgezogen und gekocht. Dadurch wird der Geschmack intensiver.“ Dazu kommen verschiedene Malzsorten. „Helles und dunkles Gerstenmalz sowie Röstmalz, um diese malzaromatische Note und eine dunklere Färbung zu erzeugen.“ Das Kirtabier wird Anfang Juli eingebraut. Helmut Erdmann: „Nach dem Sudprozess wird es im Gärkeller eine Woche vergoren, danach etwa sechs Wochen im Lagerkeller gelassen.“ Zum Vergleich: Ein Weißbier lagert etwa drei Wochen.

Stören darf das Kirtabier nur Braumeister Bernhard Neunhoeffer, der regelmäßig eine Zwickelprobe nimmt. „Es gibt mittig am Tank einen Zwickelhahn, damit kann sich unser Braumeister ein kleines Glas zapfen, um die Reife und Güte des Bieres zu prüfen. Passt alles, wird das Kirtabier abgefüllt.“ Knapp 1000 Hektoliter werden in Aying gebraut. Bis Ende Oktober kann man das Kirtabier noch genießen.

Nicht nur in Aying, auch in Wolnzach (Kreis Pfaffenhofen) wird ein besonderes Kirchweih-Schmankerl hergestellt. „Eine Kirta ohne Schmalzgebäck – undenkbar“, sagt Walburga Waldinger von der gleichnamigen Hofbäckerei. Dort wird das Gebäck nach einem alten Familienrezept zubereitet. „Es stammt noch von der Oma“, erzählt die Bäckersfrau.

Jede Kirta-Nudel wird bei den Waldingers noch von Hand gedreht. „Das ist viel Arbeit.“ Auch das Ausbacken erfolgt noch wie früher. „Wichtig ist, dass man mit gutem Butterschmalz arbeitet.“ Und mit einem kleinen Trick aus Niederbayern werden die Nudeln nicht so fettig: „Man gibt vorsichtig etwas Wasser ins Butterschmalz und lässt es im geschlossenen Topf erhitzen.“ Dann wird das Hefegebäck wie gewohnt ausgebacken.

Wie sehr sich die Menschen in Bayern früher auf das gute Essen an Kirchweih gefreut haben, auf Kirta-Nudeln und Kirchweihgans, daran erinnert sich die 71-Jährige noch aus ihrer Kindheit. „Dafür hat man in ärmeren Zeiten dann gespart.“

Waldinger verkauft ihre Kirta-Nudeln zum Beispiel am Donnerstag am Wochenmarkt in Unterhaching. Auch auf anderen Märkten gibt’s das Schmankerl (www.hofbaeckerei-waldinger.de/marktstandl.php).

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