Tandler und ihr Kompagnon

von Redaktion

Gericht will Beziehung der Angeklagten klären – Geschäftspartner oder Liebespaar?

München – War die Politikertochter und Masken-Händlerin Andrea Tandler wirklich die alleinige Rädelsführerin bei den Masken-Deals – und der wegen Beihilfe mitangeklagte Kompagnon Darius N. nur mehr oder minder eine Randfigur? Das ist eine der Fragen, die das Landgericht München klären muss. Dort sind Tandler und N. wegen vielfachen Steuerbetrugs angeklagt – es drohen lange Haftstrafen.

Am Tag 3 des Prozesses vor dem Landgericht München versuchte die Hauptangeklagte Tandler, die These der Anklage zu widerlegen, wonach sie mit Darius N. eine private Beziehung pflegte und ihm einen Teil der Provisionen – über 13 Millionen Euro – unentgeltlich überließ. Dafür wäre eine Schenkungssteuer in Höhe von 6,6 Millionen Euro fällig geworden. Die sogenannte Hinterziehung der Schenkungssteuer ist einer der zentralen Anklagepunkte, und eine Schenkung kann nur vorausgesetzt werden, wenn eine enge private Beziehung zwischen Tandler und dem Mitangeklagten N. angenommen werden kann. Tandler und N. haben das wiederholt vor Gericht abgestritten. „Nicht mal ein paar Socken oder eine Zahnbürste“ von Darius N. sei bei der Durchsuchung in ihrer Wohnung gefunden worden, betonte Tandler jetzt vor Gericht. Das sei doch auffällig und nicht gerade ein Beleg für einen intimen privaten Umgang.

Zudem versuchte Tandler glaubhaft zu machen, dass sie und N. gleichermaßen bei der Anbahnung der Geschäfte mitgewirkt hätten und die an N. gezahlte Provision daher keine Schenkung gewesen sein könne. Als Beleg, dass N. ihr gleichberechtigter Geschäftspartner gewesen sei, verwies Tandler auf E-Mails, die häufig in „Wir“-Form verfasst worden seien. „Wir haben einen umfangreichen Bestand an Ware für den Umgang mit dem Coronavirus auf Lager“, hieß es zum Beispiel. Dass die von N. losgeschickten E-Mails – sogar an das FBI – stets versandeten, erklärte Tandler zum reinen Zufall.

Tatsache ist, dass letztlich nur Tandlers Kontakte fruchteten. Wohl auch mit Hilfe ihrer Namens („mein Vater war früher Finanzminister von Bayern“, schrieb sie beispielsweise bei passender Gelegenheit) kamen im März 2020 sechs Geschäfte mit Landes- und Bundesbehörden zustande, die insgesamt 26,5 Millionen erbrachten. Mit weiteren, später abgeschlossenen Masken-Deals ergab das die Gesamtsumme von über 48 Millionen Euro Gewinn.

Der Prozess wird sich bis mindestens Dezember hinziehen. Zurzeit sind Termine bis 5. Dezember terminiert, ein Urteil könnte aber noch vor Weihnachten fallen.  dw

Artikel 1 von 11