Seeon – Gebhard Gaßner aus Chieming ist ein echter Glückpilz: Der Schwammerlsammler entdeckte in einem Waldstück nahe des Klosters Seeon im Kreis Traunstein den Lila-braunen Schuppenwulstling. Er gehört zu den seltensten Lamellenpilzen Europas, erklärt der Experte Till Lohmeyer. In Bayern kannte man ihn bisher nicht. Auch in der offiziellen Kartierungsdatenbank der Deutschen Gesellschaft für Mykologie ist die Art neu. Weltweit sind bisher nicht viel mehr als ein Dutzend Funde des Squamanita pearsonii bekannt.
Dass die Brisanz des Fundstücks überhaupt entdeckt wurde, ist einem glücklichen Zufall zu verdanken. Gaßner war an diesem Tag mit einer organisierten Pilzexkursion unterwegs. „Mir fiel auf, dass das Moos an einer Stelle etwas anders war als sonst“, berichtet er. „Ich hätte den etwa acht Zentimeter langen Pilz normalerweise gar nicht mitgenommen.“ Doch da ein Pilzexperte die Schwammerlsuche leitete, nutzte er die Chance, mehr über den unbekannten Pilz zu erfahren. „Am Ende einer Wanderung kontrolliere ich noch einmal alle Körbe der Teilnehmer, um sicherzustellen, dass sie keine Giftpilze enthalten“, sagt Lohmeyer. Er staunte nicht schlecht, als er in Gaßners Korb den seltenen Lamellenpilz sah. „Dass es sich um eine Squamanita-Art handelte, war mir sofort klar: Der im Verhältnis zur Stiellänge kleine Hut, die Farbe und vor allem der leicht spindelförmig verdickte, ockerbraune Stiel wiesen darauf hin.“ Lohmeyer untersuchte das Fundstück mit dem Mikroskop – und stellte fest, dass er es hier mit dem Lila-braunen Schuppenwulstling zu tun hat.
So selten der Pilz gefunden wird, so ungewöhnlich ist auch seine Ernährungsweise: Wie andere Squamanita-Arten lebt er nicht von toter, organischer Materie wie Holz, Laub- oder Nadelstreu. Er bildet auch nicht wie Steinpilze und Reherl symbiotische Lebensgemeinschaften mit Bäumen. Stattdessen wächst der Pilz als Parasit auf anderen Lamellenpilzen.
Wie geht es nun mit der Pilzrarität weiter? „Wir werden das inzwischen getrocknete Exemplar der Botanischen Staatssammlung in München übergeben“, sagt Lohmeyer. Dort seien Fundstücke dieses Ranges bestens aufgehoben und stünden für weitere Forschungen zur Verfügung. Finder Gebhard Gassner ist stolz. Er sagt: „Ich hätte nie gedacht, dass ein kleiner Pilz für eine Sensation sorgen würde.“ AXEL EFFNER