Burggen – Christine, Freya, Liesel und Luggi haben es richtig gut. Die drei Charolais-Kühe und der Zuchtstier stehen mit ihren Kälbern auf einer Weide oberhalb der Litzauer Schleife bei Burggen (Kreis Weilheim-Schongau). Wenn Nebenerwerbslandwirt Stefan Klöck und seine Frau Susanne die Weide betreten, kommen die Rinder neugierig herbei, lassen sich streicheln. „Charolais-Rinder sind gemütliche Tiere“, sagt der 34-jährige ausgebildete Elektroniker. Da kann selbst der zweijährige Sohn Ludwig mit ins Gatter.
Dass Stefan Klöck seine Tiere liebt, das sieht man. Für seine 16 Rinder hat er den alten Anbindestall abgerissen und einen neuen luftigen Stall mit Tiefstreu-Liegebereich, Massage-Bürsten, vielen Fenstern und Zugang zu einem Außenlaufhof gebaut. Klöck hält die Tiere als Mutterkuh-Herde – das heißt, die Kälber bleiben, anders als bei Milchkühen, bei der Mutter. Sie leben in einer Herde mit Kühen, Stier und den anderen Kälbern. Von Mai bis zum ersten Schnee sind sie auf der Weide, erst wenn es richtig frostig ist, kommen sie in den Stall. Mit etwa zwei Jahren haben sie ihr Schlachtgewicht erreicht. Im örtlichen Schlachtbetrieb, keine drei Minuten vom Hof entfernt, werden sie geschlachtet. Keine langen Fahrten im Viehtransporter, kein Stress für die Tiere. Ihr Fleisch verkaufen die Klöcks in Direktvermarktung an Stammkunden – für 18 Euro pro Kilo.
Bis zur Schlachtung haben Klöcks Tiere ein Leben, von dem viele andere Kühe nur träumen können. Weil der junge Nebenerwerbslandwirt mit dem kleinen 9,5 Hektar-Hof die stattliche Investition von mehreren Zehntausend Euro und viel Eigenarbeit für ein besseres Leben seiner Tiere nicht gescheut hat, ist er gestern von Agrarministerin Michaela Kaniber (CSU) mit dem Bayerischen Tierwohlpreis ausgezeichnet worden. Zusammen mit Stefan Klöck wurden auch der Kälberaufzuchtbetrieb von Franz Straßer aus Mühldorf sowie der Schweinehaltungsbetrieb von Rainer Markstein aus Gattendorf (Kreis Hof) für ihren Aufwand geehrt, den sie zum Wohl ihrer Tiere betreiben. „Sie haben sich bewusst für deutlich mehr Tierwohl entschieden. Das verdient unsere Anerkennung“, so die Ministerin. „Sie zeigen, dass es möglich ist, das Wohl von Nutztieren nachhaltig zu verbessern.“
Eigentlich gab es auf dem Hof der Familie Klöck keine eigenen Tiere mehr, nachdem die Eltern 1990 die Milchviehhaltung aufgegeben hatten – nur noch Pensionstiere für Sommerweidehaltung und Winterfütterung. Sohn Stefan hatte eine Ausbildung zum Elektroniker für Betriebstechnik absolviert, doch mit 26 Jahren übernahm er zusätzlich den Hof im Nebenerwerb – kaufte zwei Kühe, einen Stier und ein Kalb. „Ich wollt’ wieder eigene Tiere haben“, sagt er. Charolais-Rinder hatten es ihm angetan. „Das ist eine reine Mutterkuh-Rasse. Die Kühe geben nur so viel Milch, wie das Kalb braucht.“ Melken fällt also flach. Das durchmarmorierte Fleisch der genetisch hornlosen Rasse gilt als Delikatesse. 2021 stellte Klöck junior den Hof auf ökologische Bewirtschaftung um, ein Jahr später begann der Stallbau.
Christine, Freya, Liesel, Luggi und Co. bekommen nur Raufutter – kein Kraftfutter, kein Getreide, keinen Mais. Alles, was sie fressen, erzeugt Stefan Klöck auf seinen Wiesen. „Billiger als Weidehaltung geht es nicht“, sagt er. „Dass unser Kleinstbetrieb eine Chance hat, bayernweit beim Tierwohlpreis mitzumischen“, hätte Klöck sich nicht träumen lassen. Ein achtköpfiges Komitee hat den Hof auf Herz und Nieren geprüft. „Uns freut es, dass wir so eine Anerkennung kriegen“, sagt Ehefrau Susanne und strahlt. Was die Klöcks mit der Siegesprämie von gut 3000 Euro machen, steht fest: „Jetzt kriegen die Kälber ihre eigene Massagebürste.“