München – Bayern schnieft und hustet – das spüren auch die Hausärzte. „Wir sehen in unserer Praxis gerade viele grippale Infekte, verursacht von verschiedenen Viren, aber meist ohne Covid-Nachweis“, sagt Markus Frühwein. „Dazu kommen verstärkt Magen-Darm-Infekte mit Erbrechen und Durchfall.“ Im Kampf gegen die Erkältungs- und Erkrankungswelle rät der Münchner Allgemeinmediziner betroffenen Patienten zur Ruhe: „Es ist besser, nicht in die Arbeit zu gehen. Einerseits, um die Kollegen nicht anzustecken, andererseits, um sich zu schonen.“ Auch Homeoffice bedeute für den Körper keine Ruhe, betont er.
Bei viralen Infekten seien in der Regel keine Medikamente nötig. „Hier gilt die Faustregel: Ein grippaler Infekt dauert ohne Behandlung sieben Tage und mit Behandlung eine Woche“, so Frühwein. Zum Schutz vor einer Ansteckung empfiehlt er die üblichen Abstands- und Hygieneregeln.
Wie groß der Anteil der Corona-Viren bei der aktuellen Krankheitswelle ist, kann Frühwein nicht sagen. „Wir testen in unserer Praxis nicht, um welche Viren es sich handelt“, erklärt er. Dennoch sei seit ein paar Wochen ein Anstieg bei den Corona-Infektionen bemerkbar. Der LMU-Professor und Virologe Franz-Xaver Reichl geht davon aus, dass die herbstliche Corona-Saison gerade erst begonnen hat. Auch deshalb, weil eine neue, sehr ansteckende Corona-Variante in Deutschland aufgetaucht ist: Pirola. „Sie entspringt genau wie der Subtyp Eris der Omikron-Variante“, erklärt Reichl. Eris dominiere das Virusgeschehen in Deutschland aktuell, der Anteil der Pirola-Viren liege hierzulande erst bei fünf bis sieben Prozent, erklärt Reichl. Die Weltgesundheitsorganisation WHO und das Robert-Koch-Institut haben Pirola als „zu beobachten“ eingestuft. „Das ist noch nicht die höchste Bewertungsstufe“, sagt Reichl.
Noch gebe es zu wenig Fälle, um verlässlich einordnen zu können, ob Pirola gefährlicher ist als frühere Varianten. „Bisher sind keine Todesfälle bekannt“, sagt Reichl. Doch schon jetzt unterscheidet sich die Variante in einem Punkt von ihren Vorgängern. „Die Symptome sind anders“, erklärt Reichl. Während Eris sich noch vor allem in Hals, Nase und beim Geschmackssinn bemerkbar macht, hätten Pirola-Infizierte Schwellungen von Mund, Zunge und Lippen bemerkt, berichtet Reichl. Häufig komme es auch zu Hautausschlägen und roten und geschwollenen Fingern und Zehen. „Einige klagen auch über juckende Augen, Heiserkeit und Durchfall.“
In den Herbst- und Wintermonaten sei die Infektionsgefahr aber nicht nur wegen der neuen, noch ansteckenderen Varianten größer, betont Reichl. Er rät dazu, in Innenräumen wieder vermehrt Maske zu tragen oder Abstand zu halten, falls das möglich ist. Auch das gründliche Händewaschen sei wichtig. Allen Risikopatienten oder Über-60-Jährigen rät Reichl, die Corona-Impfung aufzufrischen, sollte die letzte Spritze oder die letzte Infektion mehr als zwölf Monate zurückliegen. „Da Eris und Pirola der Omikron-Variante entsprungen sind, für die der Impfstoff angepasst wurde, können wir davon ausgehen, dass wir mit der Impfung auch gegen die neuen Varianten gut geschützt sind“, sagt der Professor. bez/kwo