Ebersberg – Klimaaktivisten aus ganz Deutschland versammelten sich diese Woche mit Transparenten vor dem Amtsgericht Ebersberg. „Gerichte sind zum Essen da“ und „Autos nur noch im Museum“ stand darauf. Vier Klimaaktivisten sind in Ebersberg wegen Nötigung in 192 Fällen angeklagt, nachdem sie sich im September 2021 aus Protest gegen die Internationale Automobil-Ausstellung von einer Brücke der A 94 abgeseilt hatten. Die Polizei musste die Autobahn für mehrere Stunden sperren.
Die Verhandlung war zunächst ausgesetzt, weil die Angeklagten den Richter mit Anträgen überfluteten. Demonstrativ seufzend hatten die Angeklagten am Mittwoch im Sitzungssaal Platz genommen und gemächlich Ordner und Laptops vor sich aufgebaut. Der Richter hatte vorab bereits das Kruzifix aus dem Saal entfernen lassen. Beim ersten Termin hatten die Aktivisten geäußert, sie fühlten sich durch Jesus Christus bedroht. Dann folgte der nächste Antrag auf 20-minütige Unterbrechung zur Akteneinsicht: Die Polizisten sollten ihre Waffen abgeben. Diese Forderung lehnte der Richter ab – genauso wie den Antrag zu gendern.
Gestern forderten die Angeklagten dann die Vorladung einer Klimaforscherin, die die Notwendigkeit der Aktion bekräftigen soll. Auch der IAA-Präsident, der Münchner Oberbürgermeister und sämtliche Ehrenamtliche der Freiwilligen Feuerwehr Anzing sollen aussagen. Bis Montag muss die Staatsanwaltschaft Stellung beziehen. ANNA LIEBELT