München – 1983 spielte die in der Tschechoslowakei geborene Ruth Maria Kubitschek in zehn Folgen die Rolle als Antiquitätenhändlerin Annette von Soettingen – die große Liebe des ewigen Stenz aus der Kultserie „Monaco Franze“ von Helmut Dietl. In der Zeit vom Ende der 50er-Jahre bis 1991 lebte die Grande Dame des deutschen Schauspiels in München.
Ihren Lebensabend verbringt die heute 92-Jährige in Ascona am Lago Maggiore – und wollte eigentlich keine Interviews mehr geben. Für den Stern hat sie nun eine Ausnahme gemacht – eine letzte, wie sie betont. Denn: „Ich glaube, nun ist alles gesagt.“ Das Spatzl spricht ein letztes Mal über sein Leben: • Die Kindheit im Krieg: „Ich erinnere mich an die Auseinandersetzungen zwischen den Volksgruppen in der Tschechoslowakei, sogar an Schießereien“, erzählt sie. Ihr Vater war Offizier in der tschechoslowakischen Armee, dann in der Wehrmacht. Die Familie zog nach Komotau. „Ich nahm weniger die politischen Verhältnisse wahr als die Möglichkeit, ins Kino zu gehen und die großen Schauspieler der Zeit persönlich zu treffen, die damals zu Filmpremieren anreisten.“ • Der erste Bühnenauftritt: „Mit vier spielte ich zum ersten Mal Theater, eine Chinesin. Ich war so aufgeregt, dass ich mir während der Vorstellung in die Hosen schiss.“ Zum Glück sei sie in einem kleinen Häuschen gestanden, sodass sie fertig spielen konnte, ohne dass es jemand bemerkte. • Die Ehe mit Götz Friedrich: Der Regisseur, mit dem sie den gemeinsamen Sohn Alexander hat, sei trotz der Scheidung im Jahr 1962 die große Liebe gewesen. „Im Grunde wäre er der Mann meines Lebens gewesen. Aber er schaute anderen Frauen hinterher.“ • Die Rolle als Spatzl: „Die Figur ist in weiten Teilen mit mir identisch“, sagt sie. Doch habe der Annette von Soettingen anfänglich jegliches Fleisch gefehlt. „Es war eine leere Rolle.“ Im Schwips habe sie Regisseur Dietl und Autor Patrick Süskind dann alles Mögliche aus ihrem Leben erzählt. „Und so nahm diese Annette von Soettingen Form an.“ Trotzdem gab es wesentliche Unterschiede zwischen Rolle und Darstellerin: „Sie ließ ihrem Franze alles durchgehen, entwickelte eine Strategie, ihn doch noch zur Treue zu bewegen. Ich bin immer gegangen, habe meine Männer verlassen.“ Doch begann Kubitschek von ihrer Rolle zu lernen und sich viel von ihr anzueignen. Sie ist überzeugt: „Das Spatzl hat mich befreit.“ • Die Arbeiten an „Kir Royal“: Sie habe gespürt, was es bedeutete, eine reiche Frau zu sein, sagt Kubitschek. „Ich ging zum Juwelier Hemmerle in der Maximilianstraße und ließ mich für die Drehs mit teuerstem Schmuck ausstatten.“ Ihr sei klar geworden, dass es sich um Klunker im Wert von etwa einer Million Mark handle, erzählt die Schauspielerin weiter. • Die letzte Rolle in „Frau Ella“: „Das war ein guter Abschluss für meine Karriere. Noch mehr uralte Frauen zu spielen war nicht interessant. Die besten Rollen hatte ich mir ohnehin selbst geschrieben.“ • Die spirituelle Ader: „Unsere Familie ist nicht gläubig gewesen, meine Großmutter hatte uns alle aus der katholischen Kirche abgemeldet. Mich hingegen hatte die Figur Jesus stets berührt.“ Hinzu seien Eingebungen gekommen, „dieses Gefühl, Geschehnisse vorauszuahnen, geleitet zu werden“. Kubitschek glaubt an Wiedergeburt. „Ich habe die Werke des persischen Dichters Rumi studiert. Demnach geht man durch diese Etappen: Stein, Pflanze, Tier, Mensch, Engel.“