Wo Böllern heuer verboten ist

von Redaktion

München – Philip Plan hat gerade den größten Stress des Jahres. Heute startet der Raketenverkauf in seinem Laden im Münchner Bahnhofsviertel, der den schönen Namen „Götterfunken“ hat. Am Mittwochvormittag baut er mit fünf Mitarbeitern die Raketenpakete und Böllerbatterien auf. „Seit drei Tagen steht das Telefon nicht still“, sagt der Pyrotechniker. „Die Leute haben extrem viel Lust auf Feuerwerk.“ Und zwar um jeden Preis: 100 bis 150 Euro für einen Batterieverbund, der dann bis zu fünf Minuten knallt und leuchtet – kein Problem. Plan hat heuer die dreifache Menge vorrätig, voriges Jahr war nach eineinhalb Tagen alles weg.

Das passt eigentlich nicht recht zu dem Trend, den Winfried Schober vom Bayerischen Gemeindetag seit Jahren beobachtet: nämlich dass Feuerwerke zu Silvester aus der Mode kommen. „Die Menschen denken an die Umweltverschmutzung, an den Lärm.“ Und so ist es kein Wunder, dass auch zum Jahresausklang 2023 in Bayern an etlichen Orten das Böllern verboten ist – oder zumindest eingeschränkt. Schober stellt fest, dass die Kommunen es meistens bei einem Appell an die Vernunft belassen. Am Tegernsee funktioniert das schon seit 2018, die Tal-Bürgermeister, Tierschützer und die Tegernseer Tal Tourismus GmbH fordern dazu auf, freiwillig auf Raketen und Böller zu verzichten. Ein Überblick über andere Regelungen:

Böllerfreie Zone in München

In der Landeshauptstadt dürfen Feuerwerkskörper in der Fußgängerzone vom Marienplatz am Rathaus bis zum Stachus nicht abgebrannt werden, ebenso wenig am Viktualienmarkt. Am Viktualienmarkt soll das Verbot insbesondere Brände an den Marktständen verhindern, im Stadtzentrum geht es um die Sicherheit der Feiernden. Das Verbot beruhe auf einer Gefahrenprognose des Polizeipräsidiums und gelte von Silvester 21 Uhr bis Neujahr um 2 Uhr, berichtete die Stadt. Ergänzend gibt es auch ein Böllerverbot innerhalb des Mittleren Rings. Dort geht es aber nur um Knaller, andere Feuerwerkskörper wie Fontänen sind erlaubt. Wer sich nicht an die Verbote hält, bekommt ein Bußgeld.

Raketen-Verbot nach Hagelschäden

Nach dem verheerenden Hagel im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen und im Kreis Garmisch-Partenkirchen im August sind etwa in Benediktbeuren und Bad Bayersoien noch immer viele Häuser nur notdürftig abgedeckt – deshalb haben die Gemeinden dort jeweils verboten, Raketen steigen zu lassen. Einen modernen Weg geht Bad Tölz – im Kurhaus wird ein digitales Feuerwerk gezeigt. Allerdings gibt’s auf der Isarbrücke auch ein konventionelles Feuerwerk.

Besonderer Schutz für Burgen und Schlösser

Rund um die staatlichen Schlösser und Burgen im Freistaat dürfen keine Raketen gezündet werden. Es bestehe erhöhte Brandgefahr, so die Schlösserverwaltung. „Raketen, Böller und Funkenflug gefährden die historischen Gebäude erheblich.“

Keine Raketen in historischen Zentren

In Regensburg wird heuer wieder die historische Steinerne Brücke über der Donau gesperrt. Zudem gilt in der Altstadt ein weiträumiges Feuerwerksverbot. Schon das Mitnehmen von Böllern und Raketen ist untersagt. In Nürnberg gibt es rund um die Burg ein strenges Verbot. Dort wird ein Sicherheitsdienst an Silvester auch Taschen kontrollieren, damit kein Feuerwerk mitgenommen wird. Ähnlich die Regelung in Augsburg. Auch kleinere Städte wie Wolfratshausen oder Moosburg (Kreis Freising) haben per Allgemeinverfügung ein Verbot erlassen – zu groß ist die Brandgefahr in den historischen Altstädten. In der Freisinger Innenstadt etwa greift die Erste Verordnung zum Sprengstoffgesetz: Beim Zünden einer Rakete dürfen sich keine Kirchen, Krankenhäuser, Kinder- und Altenheime oder historische Gebäude in einem Umkreis von 100 Metern befinden. Bedeutet: Feuerwerksverbot im gesamten Innenstadtbereich.

Verzicht zum Schutz der Tiere

Die Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald hat ebenfalls darum gebeten, an Silvester auf Feuerwerk im Nationalpark zu verzichten –zum Schutz der Tiere. Raketen und Böller setzten viele Tierarten unter Stress, betonte die Verwaltung am Mittwoch.  caz/fr/dpa

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