München – Die Warnung des Deutschen Wetterdienstes war drastisch: Gefrierender Regen, extreme Glätte, Aufenthalte im Freien und Autofahrten sollten nach Möglichkeit vermieden werden. Dazu rieten die Meteorologen für Mittwochmorgen. Das große Chaos blieb dann aber aus. Trotzdem kam es zu einer ganzen Reihe von Unfällen. Der ausgefallene Schulunterricht sorgte mancherorts für Empörung. Und Entwarnung geben die Meteorologen noch nicht.
Schulärger in Ebersberg
In zahlreichen Landkreisen in ganz Bayern fiel gestern der Schulunterricht aus. Für Ärger sorgte das im Landkreis Ebersberg. Denn dort informierten die Schulen die Eltern erst nach 7 Uhr morgens, dass der Unterricht entgegen der Ankündigung vom Vorabend doch nicht stattfindet. Damit war das Chaos perfekt, weil Eltern, die nichtsahnend in die Arbeit gefahren waren, von dort aus eine Notbetreuung organisieren mussten. Landrat Robert Niedergesäß (CSU) entschuldigte sich gestern Morgen, nachdem der Shitstorm bereits im vollen Gange war. Laut Landratsamt hatten Straßenmeisterei und Polizei erst am Morgen gegen 6.30 Uhr Bedenken über die Straßenverhältnisse geäußert. Dann habe die Koordinierungsgruppe Witterung den Ausfall beschlossen. Landrat Niedergesäß kündigte gestern an, künftig selbst die finale Entscheidung über einen Schulausfall zu treffen.
Die Entscheidung, welche Schulen schließen und welche offen bleiben, werden nicht zentral im Kultusministerium getroffen, sondern in lokalen Steuerungsgruppen vor Ort. Entscheidend ist dabei die Frage, ob Bus und Bahn im jeweiligen Landkreis die Schüler zuverlässig und sicher zur Schule bringen können, heißt es aus dem Kultusministerium.
Insbesondere in Franken und Ostbayern waren die Schulen großflächig geschlossen. Der Kreis Main-Spessart sagte gestern auch bereits den Unterricht für den heutigen Donnerstag ab.
Viele Unfälle auf eisigen Straßen
Auf glatten Straßen kam es am Mittwoch auch immer wieder zu Unfällen, wobei es meist allenfalls nur Leichtverletzte gab. Allein das Polizeipräsidium in Kempten meldete mindestens 32 Verkehrsunfälle durch Glätte. Im Raum Regensburg kam es in der Mittagszeit wegen Blitzeis zu einer ganzen Serie von Unfällen auf der Autobahn 3. Auf der A94 Richtung Passau kam es zu einem Glätteunfall, gegen 8 Uhr war ein Pkw bei Lengdorf in die Leitplanke gerutscht. Teilweise konnten die Müllabfuhren nicht mehr ausrücken.
Mehr Patienten in den Kliniken
Die München Kliniken hatten nach eigener Auskunft zehn Prozent mehr Patienten als an normalen Tagen. Mehrfacher Einlieferungsgrund: gebrochenes Handgelenk wegen sturzbedingtem Aufstützen. Der E-Scooter-Dienst Bolt stellte seine Vermietungen für den gestrigen Tag ein. Die Polizei in der Landeshauptstadt hingegen gab Entwarnung: „Ein Tag wie jeder andere.“
Keine Züge nach Oberammergau
Auch der Bahnverkehr war betroffen von der Glätte. „Es kann deutschlandweit zu Verspätungen und Zugausfällen im Regional- und Fernverkehr kommen“, sagte eine Sprecherin der Deutschen Bahn. Die DB habe vorsorglich die Höchstgeschwindigkeit der ICE auf 200 Kilometer in der Stunde begrenzt. Der Zugverkehr zwischen Murnau am Staffelsee und Oberammergau wurde wegen angekündigten gefrierenden Regens und der Glättegefahr am Mittwoch eingestellt. Busse und Großraumtaxis sollten die Fahrgäste stattdessen befördern.
Die Eiszeit ist noch nicht vorbei
Der Deutsche Wetterdienst kündigte an, dass es in Nordbayern und in Niederbayern auch teils noch Donnerstagmorgen unwetterartiges Glatteis geben kann. „In Unterfranken durch größere Niederschlagsmengen vereinzelt auch extremer Eisansatz an Gegenständen, Bäumen und Oberleitungen sowie erhöhte Eisbruchgefahr“, warnten die Meteorologen. Heute soll verbreitet wieder ein bis fünf Zentimeter Neuschnee fallen, kündigte der Wetterdienst an. In den Alpen sollen bis Freitagmorgen größere Mengen Schnee fallen – es könnten laut Wetterdienst bis zu 15 Zentimeter werden. dg/ac/leo/dpa