München/Berlin – Am Dienstag war im Haus von Cem Özdemir Schnitzeltag. Der Bundeslandwirtschaftsminister von den Grünen selbst ist Vegetarier. Er legt aber großen Wert auf die Klarstellung, dass es in der Cafeteria seines Ministeriums keineswegs ein Fleischverbot gebe, auch wenn das in den Sozialen Medien manche behaupten würden. Auch über Uli Hoeneß hat sich Özdemir geärgert. Der Ehrenpräsident des FC Bayern habe im Fernsehen gesagt, Özdemir wolle den Leuten den Zucker aus dem Kaffee nehmen. Von ihm aus, so der Minister jüngst, könne Hoeneß aber sogar „Speckwürfel reinwerfen“.
Abseits von Hoeneß‘ Kaffeetasse und privaten Küchen würde die Bundesregierung allerdings schon gerne ein bisschen mitreden, was bei vielen Deutschen in Zukunft auf den Teller kommen soll. In Schul- und Gemeinschaftskantinen, in Kitas und in Seniorenheimen soll zusammengerechnet rund 17 Millionen Menschen täglich gesünderes und ökologischeres Essen angeboten werden, heißt es in der neuen Ernährungsstrategie, die das Bundeskabinett am Mittwoch beschlossen hat. Gleichzeitig soll es dort weniger fleisch- und zuckerhaltige Lebensmittel geben. Die Qualitätsstandards und praktischen Tipps der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) sollen demnach bis 2030 verbindlich etabliert werden.
Und: Özdemir will – trotz FDP-Einwänden – weiter am Verbotsplan für an Kinder unter 14 Jahren gerichtete Werbung für besonders zucker-, fett- oder salzhaltige Lebensmittel festhalten. Zudem will die Bundesregierung eine EU-weit verpflichtende Nährwertkennzeichnung vorantreiben, damit im Supermarkt schneller klar wird, was nahrhaft und gesund ist, und was eher nicht. Auch Regionalität und Haltung sollen bei tierischen Produkten besser erkennbar werden. Denn derzeit werde es Menschen, die im Alltag Lebensmittel essen oder kaufen, schwer gemacht, an gesundes und nachhaltiges Essen zu gelangen, findet Özdemir.
Die unmittelbaren Auswirkungen dürften zunächst überschaubar sein. „Bei den konkreten Maßnahmen bleibt die Strategie an vielen Stellen schwammig“, kritisiert die AOK, die als Krankenkasse ein Interesse daran hat, dass sich die Deutschen gesund ernähren. Auch die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch spricht von einem „weitgehend folgenlosen Papier“. So sei unklar, wie das Ziel einer besseren Gemeinschaftsverpflegung konkret erreicht werden soll. „Für Pflicht-Vorgaben in Schulen und Kitas wären die Länder zuständig.“