Innsbruck – Urlauber, Lkw-Fahrer und Anwohner von A8 und A93 müssen ab kommendem Jahr mit heftigen Staus rechnen, auch auf dem weiteren Weg zum Brenner. Der österreichische Autobahnbetreiber Asfinag teilt mit, dass ab 2025 auf unbestimmte Zeit eine wichtige Brücke der Brennerautobahn nur noch einspurig in beide Richtungen befahrbar sein wird.
Die 1800 Meter lange Luegbrücke bei Gries am Brenner wurde 1968 errichtet, und seitdem mehrfach erneuert. Die Asfinag hält einen Brückenneubau für unausweichlich, das alte Bauwerk sei dem heutigen Verkehr nicht mehr gewachsen. Die Anliegergemeinde Gries hatte aber gegen den wesentlich breiter geplanten Neubau geklagt. Bürgermeister Karl Mühlsteiger fordert einen Tunnel, um seine Bürger vor Lärm und Abgas zu schützen. Den hatten die Asfinag und die Regierung in Wien abgelehnt. Nun zieht die Asfinag Konsequenzen und sperrt die Brücke zur Hälfte. „Die Einspurigkeit auf der Luegbrücke ist eine Frage der Sicherheit, hier gibt es keine Kompromisse“, erklärt Geschäftsführer Stefan Siegele in einer Mitteilung.
Wie der Verkehr das Nadelöhr passieren soll, erklärt Siegele so: „Eine dynamische Gestaltung von Fahrspuren auf der Luegbrücke soll an verkehrsintensiven Tagen den Verkehr in Gang halten und massive Staus möglichst reduzieren.“ Das soll heißen: Es wird während der Reisewellen zwei Fahrspuren in die Richtung geben, in der der meiste Verkehr erwartet wird. Das heißt aber auch, dass es an diesen Tagen Lkw-Fahrverbote geben wird – zusätzlich zu denen, die es ohnehin schon regelmäßig gibt. Und das heißt wiederum: Stau in Kufstein und auch an der Brennergrenze, vor allem in der Urlaubszeit. Zuletzt gab es zeitweise bis zu 100 Kilometer Rückstau. „Eine andere Lösung würde kaum Sinn machen, da es in Tirol keine Ausweichrouten für Lastwagen gibt“, erklärt Asfinag-Specher Alexander Holzedl.
Es könnte aber noch schlimmer kommen, sogar eine Totalsperre ist laut Holzedl möglich: „Abhängig ist alles vom Ergebnis der Brückenprüfung, die im ersten Halbjahr 2024 über die Bühne gehen wird. Unabhängige Sachverständige werden uns dann das Ergebnis präsentieren – daraus abgeleitet wird dann die Maßnahme, die notwendig sein wird.“
Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) reagiert wenig erfreut auf die Ankündigung der Asfinag. „Ich erwarte von der Asfinag und dem Land Tirol, dass der Verkehr auch in der Bauphase so organisiert wird, dass er weiter fließen kann.“ Vollständige Sperrungen unter der Woche müssten auf jeden Fall vermieden werden.
JOHANNES WELTE