München – Die Stadt München verzichtet aus Umweltschutzgründen eigentlich auf den Einsatz von Streusalz. Das Verdikt wurde in diesem Winter jedoch bereits dreimal außer Kraft gesetzt: Beim plötzlichen Wintereinbruch Anfang Dezember, nach dem tiefen Frost in der Vorwoche und nun wegen des Blitzeises.
Zweimal hatte OB Dieter Reiter (SPD) persönlich per dringlicher Anordnung den Einsatz von Streusalz auf Geh- und Radwegen sowie Straßen verfügt – aus Sicherheitsgründen. Bei Extremwetterlagen sei dies ausnahmsweise gerechtfertigt, bemerkte Reiter. Bei dem Eisregen hat das dafür zuständige Baureferat selbsttätig mit einem Sondereinsatz reagiert. Was Reiter in den vergangenen Wochen von der Fachbehörde auch eingefordert hatte. Schließlich sei er nicht der „Obersalzer“.
Das Baureferat ist von der Grünen Jeanne-Marie Ehbauer geführt. Sie sagte gestern unserer Zeitung: „Wir brauchen einen äußerst umsichtigen Einsatz von Streusalz.“ Auf Hauptverkehrsrouten, an Gefahrenstellen und bei extremen Wetterereignissen werde Streusalz aber natürlich weiterhin verwendet. „Um Glätte zu bekämpfen und Gefahren für Leib und Leben abzuwenden.“
Auch die Grünen im Stadtrat wollen keinen Salzstreit vom Zaun brechen und die Anordnungen des OB kritisieren. Bei extremen Wetterbedingungen sei der Einsatz von Salz angemessen, erklärt Fraktionschefin Mona Fuchs. Es habe aber gute Gründe, dass das gewohnheitsmäßige Salzen, sobald ein wenig Schnee fällt und ein paar Tage Frost herrscht, unerwünscht sei – weil es Bäume schädige. Münchens zweiter Bürgermeister Dominik Krause (Grüne) sagt: „Salzen in der Regel nein, in Ausnahmefällen ja.“ SPD-Stadtrat Nik Gradl meint: „Großflächiges Glatteis ist sehr gefährlich. Das sehen wir wie unser OB und das lässt sich aktuell auch in den Notaufnahmen der Krankenhäuser beobachten.“ In der Vollversammlung des Stadtrats am 31. Januar soll nun ein Grundsatzbeschluss gefällt werden, nach welchen Kriterien der Einsatz von Streusalz künftig gehandhabt wird. KLAUS VICK