München/Reutte – Das Befahren des Fernpasses in Tirol wird künftig eine Maut kosten. Nach Bau eines Fernpasstunnels soll die Maut eingeführt werden, sagten der Tiroler Landeshauptmann Anton Mattle (ÖVP) und sein Stellvertreter Georg Dornauer (SPÖ) bei einem Termin in Reutte.
Die Fernpass-Route zwischen Reutte/Lermoos und Nassereith ist hoch belastet, sagte Mattle. Bis zu 30 000 Fahrzeuge täglich befahren die Strecke. Tirol will nun eine halbe Milliarde Euro investieren – in die Verkehrssicherheit, aber keinesfalls in eine Kapazitätserhöhung, wie allseits betont wurde. Auch das Fahrverbot für Lkw über 7,5 Tonnen bleibt bestehen.
Ein Kernstück ist der Bau eines 1,4 Kilometer langen Fernpasstunnels an der Passhöhe. „Mit dem Bau des Fernpasstunnels wird allen voran die Erreichbarkeit des Außerfern im Winter verbessert“, hieß es. Die Fahrstrecke verkürzt sich um 3,5 Kilometer, die Fahrzeit um drei Minuten. Statt 200 müssen nur 70 Höhenmeter überwunden werden. Der Tunnel kostet 160 Millionen Euro, die Bauzeit ist für die Jahre 2026 bis 2028 vorgesehen. Sobald der Tunnel fertig ist, soll eine sogenannte Durchzugsmaut eingeführt werden. Tirol wird dazu eine Mautgesellschaft mit Sitz in Reutte gründen und zwei Mautstellen „Blindsee“ und „Nassereith“ einrichten. Die Mautgebühren sollen in Anlehnung an die Tarife der Felbertauernstraße erhoben werden – Stand jetzt sind 14 Euro für eine Einzelfahrt und 140 Euro für Mehrfahrtenkarten veranschlagt.
Tirol hätte gerne Einheimische von der Maut befreit, aber das ist – wie man auch am Beispiel der gescheiterten „Ausländermaut“ in Deutschland sehen kann – aufgrund der EU-Wegekostenrichtlinie nicht möglich. Es soll aber Ermäßigungen für Vielfahrer und Anwohner des Außerfern geben. Auch ein „Handwerker-Paket“ für Betriebe, die die Straße täglich nutzen müssen, ist geplant.
Beschlossen ist außerdem der Neubau einer zweiten Röhre für den bisher einröhrigen Lermooser Tunnel, in dem sich der Gegenverkehr begegnet. Der bestehende Tunnel, der 1984 gebaut wurde, müsse mit neuen Fluchtwegen ausgestattet werden. Das passiert, wenn die zweite Röhre gebaut ist. Der Bau ist für 2028 bis 2030 geplant.
Tirol will auch generell die Wirtschaftskraft mit Direktzahlungen stärken. Alle Haushalte mit Wohnsitz im Bezirk Reutte erhalten Regional-Einkaufsgutscheine, 150 bis 290 Euro im Jahr, gestaffelt nach Haushaltsgröße. dw